Jeder Professor kennt die Situation: Notenreklamation nach der Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse. Auch bei mir haben sich schon Studierende beklagt, nicht selten bei guten (fast sehr guten) Noten wie einer 1,7. Nach der erneuten Prüfung der Bewertung erläutere ich in solchen Diskussionen einerseits die konkreten Gründe für eine Note und meine Maßstäbe. Zum anderen versuche ich den Studierenden klarzumachen, dass eine einzelne Note im Rahmen eines mehrjährigen Studiums nur einen verschwindend kleinen Einfluss auf künftige Karrierechancen hat.

Andere Faktoren sind viel viel wichtiger als die Frage, ob man als Bewerber mit einer Studiennote von 1,8 oder 2,1 antritt. Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung des Beratungsunternehmens „CRF Institute“ bestätigen dies. Welche Kriterien sind Arbeitgebern bei Hochschulabsolventen (Young Professionals) wichtig (Mehrfachnennungen möglich)?

  1. Persönlichkeit 88 Prozent
  2. Kommunikationsfähigkeit 73
  3. Praktische Erfahrungen 51
  4. Art & Standort der Hochschule 43
  5. Sprachkenntnisse 27
  6. Auslandserfahrung/-aufenthalt 16
  7. Kreativität 14
  8. Außeruniversitäres Engagement 11
  9. Schul- & Abschlussnoten 10
  10. Studiendauer 3

(Abschluss-)Noten sind natürlich nicht unwichtig. Sie sind häufig die Eintrittskarte zum persönlichen Vorstellungsgespräch. Und im Verhältnis von Student und Dozent sind (sehr) gute Noten eine Form der Anerkennug für (sehr) gute Leistungen und auch Ansporn.

Versäumen Sie also nicht das „Drumherum“ beim Studieren, auch wenn sich dieser Tipp im Rahmen eines 7-semestrigen Bacherlorstudiums mit rund 30 SWS pro Semester nicht leicht verwirklichen lässt. In der FAZ wurde vor ein paar Tagen sogar ein „Lob auf die Langsamkeit“ beim Studieren gesungen, wenn eine längere Studiendauer zur Persönlichkeitsbildung beiträgt.