Anhaltender Applaus der Teilnehmer(innen) für Professor Dr. Werner Pfeiffer am Ende des Kolloquiums zu seinem 80. Geburtstag (Foto: Thomas Leege, 2013).

In der vergangenen Woche ist Professor Dr. Werner Pfeiffer gestorben. Er leitete von 1971 bis 1998 den Lehrstuhl für Betriebs­wirtschafts­lehre, insbe­sondere Industrie­betriebs­lehre (IBL), an der Wirtschafts- und Sozial­wissenschaft­lichen Fakultät (der „WiSo“) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. An der WiSo habe ich in der ersten Hälfte der 1990er-Jahren BWL studiert. IBL bei Professor Pfeiffer hatte ich als spezielle BWL, an seinem Lehrstuhl war ich Hiwi und habe dort meine Diplom­arbeit geschrieben. Von 1995 bis 1998 war ich wissen­schaft­licher Mitarbeiter des IBL-Lehrstuhls. Im November 1998 freuten sich mein Doktor­vater und ich über meine Promotion. Mit den übrigen rund 50 Mitgliedern seiner „Lehrstuhl­familie“ und zahlreichen ehemaligen Studen­tinnen und Studenten trauere ich um einen wunder­baren Menschen. Fast drei Jahr­zehnte hat Professor Pfeiffer meinen Lebens­weg begleitet.

Nach dem Abitur absolvierte Werner Pfeiffer von 1953 bis 1955 eine Lehre zum Industrie­kaufmann. Anschließend Studium der Betriebs­wirtschafts­lehre an den Univer­sitäten Frankfurt am Main und Köln (1955–1959), in Köln unter anderem bei Erich Gutenberg, dem deutschen BWL-Professor nach dem 2. Weltkrieg. Von 1960 bis 1965 war Pfeiffer wissen­schaft­licher Mitarbeiter an der Univer­sität Mainz. 1963 promo­vierte er in Köln (Dr. rer. pol.). In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre verfasste Pfeiffer seine Habilitations­schrift. 1971 erfolgte die Ernennung zum Professor für BWL an der Univer­sität Erlangen-Nürnberg. Ab 1973 leitete Pfeiffer die von ihm einge­richtete Forschungs­gruppe für Innovation und Techno­logische Voraussage (FIV). Seine Lehr- und Forschungs­schwer­punkte waren (1) Lean Management und System­rationali­sierung sowie (2) Technologie- und Innovations­management. Pfeiffer emeri­tierte 1998.

Mehr Informationen über Professor Pfeiffers Leben und Werk liefert der ihm gewidmete Wikipedia-Artikel.

 

Bücherfreund
(Foto: Thomas Leege, 2013)

Die Habilitationsschrift von Professor Pfeiffer erschien 1971. Sie trägt den Titel „Allgemeine Theorie der technischen Entwick­lung als Grundlage einer Planung und Prognose des tech­nischen Fortschritts“. Das Buch umfasst einschließ­lich Literatur­verzeichnis und Sachregister 152 Seiten. Auf den ersten Blick wirkt das ziemlich schlank. Doch lassen Sie sich nicht täuschen, das Werk ist ungemein tiefgründig und erklär­mächtig.

Im Vorwort erläuterte Pfeiffer den inter­diszipli­nären Ansatz seiner Arbeit, um „Ergeb­nisse der experi­mentellen Lern­theorie, der Infor­mations- und Kommunikations­theorie, der Verhaltens­forschung und Anthro­pologie, der Sozio­logie, der Sozial­psycho­logie, der Wissen­schafts- und Technik­geschichte und vor allem auch Ergeb­nisse der Wissen­schafts­theorie … zur Synthese“ zu bringen.

Die „Allgemeine Theorie“ war lange vergriffen. Im vergan­genen Jahr konnte Prof. Dr. Dr. habil. Enno Weiß seinem akade­mischen Lehrer Prof. Pfeiffer zu dessen 85. Geburts­tag ein beson­deres Geschenk machen. Eine redaktionell bearbeitete Fassung des Original­textes mit einer Nach­betrachtung. Das Werk ist nun als gedrucktes und elektro­nisches Buch wieder erhält­lich, z. B. auf → Amazon.

Prof. Dr. Dr. habil Enno Weiß überreichte Prof. Dr. Werner Pfeiffer zu dessen 85. Geburtstag ein Exemplar der neu aufgelegten „Allgemeinen Theorie der technischen Entwicklung“ (Foto: privat, zum Vergrößern anklicken).

Professor Pfeiffer starb nur einen Tag vor der Fest­veranstal­tung „100 Jahre WiSo“ und der Verlei­hung der Ehren­medaille der WiSo an ihn und seine Professoren­kollegen Peter Mertens und Horst Stein­mann. Über die bevor­stehende Ehrung hat er sich sehr gefreut. Die Medaille für Professor Pfeiffer wurde von seiner jüngsten Tochter Reglindis zusammen mit Dr. Ulrich Dörrie entgegen­genommen. Er hat Prof. Pfeiffer durch dessen gesamte Zeit als Lehrstuhl­inhaber von 1971 bis 1998 als Mitarbeiter begleitet.

Aus dem Urkundentext:
„Herr Professor Werner Pfeiffer hat sich durch sein außerordent­liches Engage­ment in hervor­ragender Weise um die Friedrich-Alexander-Universität und insbesondere den Fach­bereich Wirt­schafts- und Sozial­wissen­schaften verdient gemacht. Seine Bemühungen, eine Brücke zwischen Wissen­schaft und Industrie aufzubauen, tragen bis heute nach­haltig dazu bei, Studie­renden des Fach­bereichs eine akademische Ausbildung mit Einblicken in die Praxis zu ermög­lichen. …“
Nürnberg, den 23. Mai 2019

Nach der Verleihung der Ehrenmedaillen im Historischen Rathaussaal des Nürn­berger Rat­hauses am 23. Mai 2019, von links: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Peter Mertens, Prof. Dr. Helmut Hauss­mann, FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Horst Stein­mann, Prof. Dr. Veronika Grimm, Reglindis Pfeiffer und Dr. Ulrich Dörrie (Foto: Giulia Iannicelli/FAU Erlangen-Nürnberg, zum Vergrößern anklicken).

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Theorie­geleitet und praxis­orientiert. Diese Kombination war für die Aktivitäten Professor Pfeiffers und seiner Mitarbeiter(innen) prägend. Eines seiner Lieblings­zitate war Kurt Lewins „Es gibt nichts Prakti­scheres als eine gute Theorie.“ Die Theorie­bildung und -vermittlung erfolgte an Pfeiffers Lehrstuhl immer mit Blick auf die Unternehmens­praxis.