Mike „Tiger“ Davis (1932-2016)

Mike Davis ist tot. Der ehemalige CEO der Tiger Oil Company starb am 18. September in Las Vegas. Mit den Briefen an seine Mitarbeiter hatte sich „Tiger Mike“ in den 1970er Jahren den Titel „World’s Grumpiest Boss“ erworben. Kopien der miesepetrigen Memos fanden ihren Weg auch zu Shaun Usher, der 2010 einige auf seiner Internetseite „Letters of Note“ veröffentlichte. Die New York Times hat dem mürrischen Mike sogar einen Nachruf gewidmet. Beides sehr lesenswert für Nachwuchsmanager. Den einen oder anderen Textbaustein kann man auch im Jahr 2016 gut gebrauchen. Damit Sie als aufstrebende Führungskraft beim Quellenstudium keine wertvolle Zeit verlieren, habe ich eine Auswahl zusammengestellt.

Zu den freundlicheren Texten von Mr. Davis gehört die Anweisung an die Sekretärinnen, dass die Korrespondenz der Tiger Oil Company in Maschinenschrift verfasst wird. Auch bei anderen Büroangelegenheiten gilt: Schreibmaschine verwenden.

Ganz einer Meinung bin ich mit Mike „Tiger“ Davis, wenn es um die Behandlung der Büromöbel geht. Wenn man von dem Detail absieht, dass ich Studis nicht für ihre Lernarbeit bezahle, könnte ich dieses Memo auch für meine Vorlesungen nutzen:

Alkohol hat in den Büros der Tiger Oil Company nichts verloren. Normaler Standard, absolut nachvollziehbar. Für schwäbische Hausfrauen und Familienunternehmer ist auch der zweite Absatz des folgenden Memos selbstverständlich. „Cleanliness is next to Godliness“. Sauberkeit kommt gleich nach Gottesfurcht. Das gilt nicht nur für Schreibtische und Aktenschränke. Achten Sie als Mitarbeiter auf Ihr Erscheinungsbild! Für langhaarige Hippies hegt Mike Davis keine Sympathien. Leute, die ihre Haare über die Ohren wachsen lassen, waschen sich nicht und stinken. Mit solchen will Davis nichts zu tun haben.

Neumodische Erfindungen wie der „Casual Friday“ können Davis, den brummigen Firmenboss, nicht beeindrucken. Bei ihm gibt’s nicht mal einen „Lässigen Samstag“, wenn ein halber Extra-Arbeitstag auf dem Programm steht.

Während der ersten Februartage 1978 gab es scheinbar eine kleine Geburtstagsfeier bei Tiger Oil …

Das erforderliche Kapital, um ins Ölgeschäft einzusteigen, verdankte Edward Mike Davis übrigens der Scheidung von Helen Bonfils. Sie hatte 1956 von ihrem ersten Ehemann George Somnes die Zeitung Denver Post geerbt. Mike Davis war, nachdem er die Highschool geschmissen hatte, im Hause Somnes-Bonfils der Chauffeur. Als Mike und Helen 1959 heirateten, war er 28 und sie 69. Bei der Scheidung bekam er die Villa in Denver.

Heutzutage verordnen Top-Manager ihren Mitarbeitern das „Du“. Hans-Otto Schrader, der Chef des Versandhändlers Otto, nennt das „eine Art verbalen Startschuss für unser Projekt Kulturwandel 4.0“ (→ faz.net). Von gleichmacherischen Ideen dieser Art war Mike Davis überhaupt nicht angekränkelt. „I swear“ bedeutet im folgenden Textschnipsel übrigens nicht „Ich schwöre“, sondern „Ich fluche“.

Jetzt ist „Tiger Mike“ also in den endgültigen Ruhestand gegangen. Ein Bekannter sagte der Las Vegas Sun: „Things had to be done his way all of the time. That’s just the way he was. And he spoke the way he felt“. Hier noch ein letztes Beispiel für Mike Davis‘ despotisch-authentischen Führungsstil:

Was vielleicht doch noch zu erwähnen wäre: In den 1980er Jahren musste Tiger Oil Konkurs anmelden.