„Steuerfreiheit für Ingenieure!“, lautete der innovative wirtschaftspolitische Vorschlag eines Teilnehmers der BWL-Vorlesung am Montag. Reflexartig denkt man daran, dass ein solche Begünstigung dem klassischen Grundsatz der Steuergerechtigkeit widerspricht. Dies bedeutet, dass sich Steuern z. B. an der Höhe des Einkommens, aber nicht am Geschlecht, dem Alter oder der Berufsausbildung eines Steuerzahlers orientieren sollen.

Der internationale Standortwettbewerb, in dem Länder um die Gunst von Investoren und hochqualifizierten Arbeitskräften konkurrieren, fördert aber Ausnahmen. Ende 2003 hat die damalige konservative spanische Regierung ein Gesetz verabschiedet, wonach ausländische Spitzenkräfte, die von spanischen Firmen verpflichtet werden, für einen Zeitraum von sechs Jahren einen Höchstsatz von 25 statt 43 Prozent auf ihr Einkommen zahlen. Das Gesetz wurde schnell „Beckham-Gesetz“ genannt, weil es rückwirkend zum 1. Juli 2003 galt. Das war der erste Arbeitstag von Englands Star David Beckham bei Real Madrid nach dessen Wechsel von Manchester United. Trotz starker Proteste („Wenn dieses Gesetz abgeschafft wird, hat das Einfluss auf das Interesse am Fußball. Es gäbe weniger TV-Zuschauer, weniger Sponsoren, weniger Fans in den Stadien und damit geringere Steuereinnahmen für den Staat“, so der Chef des spanischen Fußballverbandes) wurde das Gesetz inzwischen abgeschafft. Wer allerdings wie Cristiano Ronaldo bis 2009 nach Spanien wechselte, genießt Bestandsschutz und profitiert weiter vom „Ley Beckham“ (Links zu Berichten auf sueddeutsche.de und handelsblatt.de).

In Tschechien erhielten Industrieunternehmen bei Investitionen bis vor kurzem das Privileg so genannter „Steuerferien“. Unternehmensgewinne wurden nicht versteuert. In den vergangenen Jahren hat dieses System geholfen, bedeutende Auslandsinvestoren nach Tschechien zu locken, Toyota und Peugeot/Citroen oder Bosch (Link zu mehr Informationen).

„Steuerfreiheit für Ingenieure!“, ist übrigens nicht der einzige steuerpolitische Vorschlag, der zunächst recht exotisch klingt. Lesen Sie → hier mehr über die US-Amerikaner Mankiw und Weinzierl, die fordern, dass größere Menschen höhere Steuern zahlen sollen als kleine (Per Mertesacker also mehr als Philipp Lahm).