Moore’s Law wird 50. Am technologischen Fortschritt in der Halbleiterindustrie ist Zeiss maßgeblich beteiligt. Konzernvorstand Hermann Gerlinger kommt zum Vortrag an die Hochschule Ulm (Fotos: Intel, Zeiss)

In der Ausgabe vom 19. April 1965 erschien in „Electronics“ ein denkwürdiger Artikel. Vier Jahrzehnte später setzte Intel deshalb sogar eine Belohnung von 10.000 US-Dollar für ein Originalexemplar des Magazins aus. Der Autor des Textes „Cramming More Components onto Integrated Circuits“ hieß Gordon E. Moore. Der 36-jährige Chemiker (oben links) war damals Chefingenieur („head of engineering“) des von ihm mitgegründeten Unternehmens Fairchild Semiconductor. Erst wenige Jahre zuvor waren die grundlegenden Patente für integrierte Schaltkreise (engl. integrated circuits, kurz: ICs) angemeldet worden. Die „Serienproduktion“ dieser ICs (heute spricht man von Mikrochips) befand sich Mitte der 1960er Jahre in den Kinderschuhen. Stand der Technik waren ICs mit 50 Transistoren. Moore nannte diese Halbleiterelemente „components“ und beschrieb seine Überlegungen zur weiteren Entwicklung der Mikroelektronik.

Seine Prognose: Die Leistungsfähigkeit der ICs würde sich im 1-Jahres-Rhythmus verdoppeln (Grafik oben in der Mitte). Ein kostengünstig gefertigter Chip, so Moore, könnte im Jahr 1975 ca. 65.000 Transistoren beherbergen. In diesem superschnellen Tempo ging der Fortschritt zwar nicht voran – aber fast. Anfang 2015 stellte Intel den neuen Prozessor „Broadwell“ vor: 1,3 Milliarden Transistoren auf einer Chip-Fläche von 82 mm². Die regelmäßige Verdopplung der Leistungsfähigkeit von ICs ist als Mooresches Gesetz heute weltbekannt.

An der Spitze des technologischen Fortschritts in der Halbleiterindustrie ganz vorne mit dabei ist Zeiss. Aus Oberkochen kommen die Optiken, die bei der Chipproduktion für die Belichtung der nanometerkleinen Strukturen sorgen. Dafür gab’s unter anderem schon den Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft. Und wie geht’s weiter?

Auf Einladung von Pro! Hochschule Ulm, dem Netzwerk der Alumni und Förderer, kommt Dr. Hermann Gerlinger (oben rechts) an die Hochschule Ulm.

V O R T R A G :

50 Jahre Moore’s Law.
Eine mikroelektronische Erfolgsgeschichte mit schwäbischer Beteiligung

Referent:
Dr. Hermann Gerlinger, Mitglied des Konzernvorstands der Zeiss AG, Vorsitzender der Geschäftsführung der Carl Zeiss SMT GmbH

Termin/Ort:
22. April 2015, ab 17:45 Uhr in der Aula

Der Vortrag ist öffentlich und Gäste sind herzlich willkommen.

Hilfreiche Informationen zur Anfahrt und den Parkmöglichkeiten finden Sie in diesem pdf-Dokument.

Der Vortrag von Dr. Gerlinger am 22. April ist öffentlich und Gäste sind herzlich willkommen. Sie können das querformatige Plakat im pdf-Format gerne nutzen, um Kollegen und Bekannte auf den Vortrag aufmerksam zu machen. Der QR-Code auf dem Plakat ist ein Link auf dieses Posting.

Dr. Hermann Gerlinger, wurde am 24. August 1953 in Bad Mergentheim geboren. Er studierte Physik an der Universität Würzburg und wurde dort 1983 im Fachbereich Physik und Astronomie zum Dr. rer. nat. promoviert (Titel der Dissertation: Ultrarotspektroskopische Untersuchungen zur Elektron-Phonon-Wechselwirkung in La1-xCexF3). Bei Zeiss begann Dr. Gerlinger 1984 als Projektleiter Spektroskopie. Nach verschiedenen leitenden Positionen im Geschäftsbereich Lithography Optics wurde er im Jahr 1999 Leiter des Unternehmensbereichs Semiconductor Manufacturing Technology (SMT). Seit der Gründung der Carl Zeiss Semiconductor Manufacturing Technologies ist Dr. Gelinger der Chief Executive Officer (CEO) der 100%-igen Zeiss-Tochtergesellschaft. 2007 gewann Zeiss SMT mit dem Lithographie-System Starlith 1700i den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft. Seit 2006 ist Dr. Gerlinger auch Mitglied des Konzernvorstands der Carl Zeiss AG.

Dr. Hermann Gerlinger begann seine Tätigkeit bei Zeiss 1984. Im Jahr 1999 wurde er Leiter des Unternehmensbereichs Semiconductor Manufacturing Technology. Seit 2006 ist Gerlinger Mitglied des Konzernvorstands der Carl Zeiss AG (Foto: Zeiss)

Zeiss SMT ist schon seit gut 20 Jahren als Lieferant eng mit ASML in einer strategischen Allianz verbunden. Zeiss liefert seine Optiken nur für die Systeme des niederländischen Unternehmens. Das holländisch-schwäbische Innovationsduo ASML/Zeiss SMT hat sich in den vergangenen Jahren auf die Pole Position der SMT-Industrie vorangearbeitet. Dieses Paradebeispiel konsequenter Innovationstätigkeit habe ich Anfang 2014 in einem Blog-Eintrag ausführlich beschrieben.

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Gordon Earle Moore wurde am 3. Januar 1929 in San Francisco geboren. An die University of California in Berkeley machte er 1950 seinen Bachelorabschluss in Chemie. Einen Ph.D.-Titel in Chemie und Physik erwarb er 1954 am California Institute of Technology.

1956 begann Moore bei Shockley Semiconductor Laboratories, der Firma von William Shockley. Der egozentrische Firmengründer erhielt kurz darauf für die Erfindung des Transistors den Nobelpreis. Moore hielt es aber nur gut ein Jahr mit Shockley aus. Zusammen mit sieben Partnern, darunter Robert Noyce, gründete Moore am 18. September 1957 Fairchild Semiconductors. „Sept. 18 was the birth date of Silicon Valley, of the electronics industry and of the entire digital age,“ beschrieb ein Biograph von Shockley später die Bedeutung der Firmengründung.

Seine Funktion bei Fairchild beschreibt Moore selbst als Chefingenieur („head of engineering“, ž → IEEE). So hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass 1961 die erste „Serienfertigung“ von ICs gelang. Als sich für Transistoren ein Massenmarkt abzuzeichnen begann, wollten die an Fairchild beteiligten Kapitalgeber die erfolgreichen Ingenieure auskaufen und, wie Moore es ausdrückte, „einer Bande von Ignoranten, die sich Manager nannten“, unterstellen. Moore und Noyce kündigten. Die beiden gründeten am 18. Juli 1968 Intel (Integrated Electronics). Moore führte das Unternehmen von 1975 bis 1987.

Der Selfmade-Milliardär steht heute auf Platz 195 der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Erde. Aktueller Vermögensstand: 6,9 Mrd. US-Dollar (Stand: 03.03.15, → forbes.com). Mit seiner Ehefrau hat Moore 2001 die Gordon and Betty Moore Foundation zur Unterstützung wohltätiger Zwecke eingerichtet.

Gordon Moore, Ph.D. gehörte 1957 zu den legendären acht Gründern von Fairchild Semiconductor. 1965 machte er die Voraussage, die später als „Moore’s Law“ bekannt wurde. Moores kommerzieller Geniestreich: Mit Robert „Bob“ Noyce gründete er 1968 Intel. (Foto: Intel)

Der 50. Geburtstag von Moores Voraussage wirft bereits seine Schatten voraus. Die diesjährige Ausgabe des Magazins des Computer History Museums widmet Moore’s Law 12 Seiten. Darin wird unter anderem von Walter Isaacson die Entstehungsgeschichte des Begriffs „Moore’s Law“ und die unterschiedlichen Versionen erläutert. Lesenwert fand ich auch den Text „Transcending Moore’s Law to Forge the Future“, in den Steve Jurvetson „die wichtigste Grafik der Menschheitsgeschichte“ eingebaut hat. In puncto Superlative macht den Amis niemand etwas vor.

„Most Important Graph in Human History“: Darstellung einer 110-jährigen Entwicklung ständiger Leistungssteigerungen von „Rechentechnologien“, die Gordon Moores „Gesetz“ einschließt (Quelle: Kurzweil 2005, zitiert im Magazin CORE des Computer History Museums)

Gordon Moore kann man auf Youtube auch sehen und hören. Er spricht leider etwas undeutlich. Aber was macht das schon:

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Jetzt reicht es mit den Vorabinfos. Ich freue mich auf Dr. Gerlingers Vortrag und darauf, am 22. April viele bekannte Gesichter aus 12 Jahren Hochschulzeit wiederzusehen.

Anmerkung:
Die biographischen Informationen über Dr. Hermann Gerlinger und Gordon Moore, Ph.D. stammen größtenteils von Zeiss (Gerlinger) und aus dem Munzinger Archiv (Moore).