Nachhilfe vom Landgericht Ulm: Die Sparkasse darf die Scala-Verträge
nicht kündigen (Bild, ohne Justitia: competitionline.com).

Verträge muss man einhalten. Die zuständige Richterin des Landgerichts hat den Verantwortlichen der Sparkasse Ulm heute verdeutlicht, was das im Fall der Scala-Sparverträge bedeutet. Das Geldinstitut darf weder die langlaufenden Sparverträge kündigen noch die Erhöhung der monatlichen Sparbeträge blockieren.

Mitte 2013 hatte der Sparkassen-Vorstand beschlossen, die Scala-Verträge zu beenden. Den Kunden wurden alternative Sparverträge mit maximal 3,75 % Zinsen bis längstens 2020 angeboten. Keine schlechte, aber eine schlechtere Geldanlage als mit Scala. Zähneknirschend ließen sich dennoch viele Sparer darauf ein, ihre Scala-Gelder umzuschichten. In den Sparkassenfilialen wurde den Kunden mehr oder weniger die Pistole auf die Brust gesetzt. Wer sich nicht schnell entscheide, könne später nicht mehr auf das Alternativ-Angebot wechseln.

Aber nicht alle Kunden ließen sich auf das Tauschangebot ein, und der Ulmer Rechtsanwalt Christoph Lang brachte den Streitfall mit einer sogenannten Feststellungsklage vor Gericht. Die Vorgeschichte zum heutigen Urteil ist auf den www-Seiten der Südwest Presse und auf der Seite von Langs Kanzlei ausführlich dokumentiert.

Aus Marketingsicht war die Aktion „Scala-Kehraus“ eine riesige Schnapsidee. Die richterliche Entscheidung von heute verstärkt den bereits angerichteten Imageschaden. In den überregionalen Medien wird jetzt wieder über Scala berichtet. Ich stimme deshalb SWP-Redakteur Hans-Uli Thierer zu, der dringend empfiehlt: „nachgeben, einsichtig sein, aufhören mit der Prozessiererei“ (→ swp.de). Noch etwas deutlicher: Die Regionalbanker sollten jetzt schnellstens ihren Amoklauf gegen einen Teil der eigenen Kunden stoppen.

Dass dieser Blogeintrag mit dem Schlagwort „No-Go“ gekennzeichnet ist, hat sich die Sparkassenführung redlich verdient. Vor 1½ Jahren begründete Sparkassenvorstand Manfred Oster den Versuch, die Scala-Verträge zu beenden, mit den dramatischen Worten: „Es darf nicht so weit kommen, dass die Sparkasse ins Wanken gerät“. Daran muss ich immer denken, wenn ich in Ulms Neuer Mitte am fast fertiggestellten 80-Millionen-Euro-Komplex der Sparkasse vorbeikomme. Mit seiner Backsteinfassade und den schrägen Hochglanzfenstern ist vor allem das westliche der drei neuen Gebäude („Spiegelkabinett“) ein echter Hingucker.

Blick auf den westlichen Neubau der Sparkasse Ulm mit Hochglanzfenstern und Backsteinfassade. Noch mehr Fotos vom Bauprojekt gibt’s auf den Seiten des → Bauforums Ulm.
(Foto: User Torsten, Bauforum Ulm)

Die Fassade besteht aus 125.000 Backsteinen. Diese stammen von einer belgischen Klosterruine aus dem 19. Jahrhundert. Ich gehe davon aus, dass ein Geldhaus, das sich solche Extravaganzen leisten kann, auch noch ein paar Euro für die Zinsgutschriften auf den Scala-Konten übrig hat.

Verwandte Blog-Einträge:
Nicht gut für Scala-Sparer. Nicht gut für den Markenkern
Mit ihrer Scala-Attacke auf die eigenen Kunden hat es die Sparkasse Ulm im Herbst 2013 die überregionale Presse geschafft. Aus Marketingsicht war das Vorgehen ein Fiasko.
Ich bin dann mal weg
Fast 25 Jahre war ich Sparkassenkunde. Zuerst in Nürnberg, zwischenzeitlich in Stuttgart, dann in Ulm. Im Januar 2014 habe ich mein Girokonto gekündigt. Stichwort: Scala.