Bosch-Chef Volkmar Denner ist begeistert: Lambdasonden gibt’s schon lange in Abgasrohren und jetzt auch in Backöfen (Fotos: Bosch, BBDO).

Vorgestern Abend war Volkmar Denner in Ulm. Die Südwest-Presse hatte den Bosch-Chef eingeladen, sich im Stadthaus den Fragen von Chefredakteur Ulrich Becker und von Karen Emler, der Leiterin der Wirtschaftsredaktion, zu stellen. Als ehemaliger Boschler war ich natürlich dort und habe aufmerksam zugehört. Jetzt weiß ich unter anderem, dass Denners Lieblingsprodukt von Bosch ein Akkuschrauber aus dem blauen Werkzeugsortiment ist und dass der begeisterte Rennrad- und Moutainbike-Fahrer sich vor 30 Jahren auch eine Karriere als Physik-Professor vorstellen konnte.

Das Manager Magazin hat im März nicht sehr freundlich über Bosch geschrieben (was man nicht überbewerten sollte, → so ein Bericht erscheint im MM ungefähr alle 3 Jahre). Über Denner hieß es: „Redet er über seine Visionen, kommt er immer wieder auf die kleinen Dinge zu sprechen“. Stimmt. Besonders die Innovationsstory über die kleine Lambdasonde fand ich klasse. Ein schönes neues Praxisbeispiel für eine Anwendungsinnovation.

Lambdasonden stellt Bosch seit 1976 her. Heute sind es rund 5 000 dieser Sensoren, die pro Stunde in den Bosch-Fabriken weltweit produziert werden. Lambdasonden werden im Abgasrohr von Verbrennungsmotoren (Benziner und Diesel) eingebaut und messen den Sauerstoffgehalt. Die Daten unterstützen die exakte Gemischaufbereitung und damit eine schadstoffarme Verbrennung. Nun kamen kreative Bosch-Ingenieure und -Ingenieurinnen auf die Idee, dass man so ein kleines Sauerstoffgehalt-Messgerät auch in Backöfen gut gebrauchen kann.

Aus der Pressemitteilung über den neuen Serie 8-Ofen:
„Der exklusiv bei Bosch erhältliche PerfectBake Backsensor nutzt die physikalische Erkenntnis, dass ein Backprozess abgeschlossen ist, wenn der Feuchtigkeitsgehalt im Backrohr seinen höchsten Stand erreicht. Ein Sensor misst daher kontinuierlich die Sauerstoffkonzentration im Backrohr und berechnet auf dieser Basis den Feuchtigkeitsgehalt. Die Information wird an die Elektronik weitergeleitet, die den Backprozess exakt danach ausrichtet.“

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Der PerfectBake-Sensor ist nichts anderes als eine Lambdasonde – und ein Beispiel für eine Anwendungsinnovation. Der Begriff beschreibt den Fall, dass zusätzliche Einsatzmöglichkeiten für Technologien gefunden werden, mit denen man sich in einem Unternehmen bereits auskennt. Firmeneigenes Know-how lässt sich so noch besser nutzen. Auch mit den elektrischen Antriebssystemen für E-Bikes war Bosch eine hübsche Anwendungsinnovation gelungen. Elektromotoren, Batteriesysteme und Steuergeräte produzierten die Schwaben schon lange, bevor Fahrräder elektrisch aufgepeppt wurden (→ Blog-Eintrag „George Stephens Kugelgrill und andere Anwendungsinnovationen“).

Für Liebhaber des Denglischen noch eine kurze Ergänzung: Die Geschichte mit der Lambdasonde könnte man auch als unternehmensinterne Cross Industry-Innovation bezeichnen. Der typische Cross Industry-Innovationsfall bringt zwei voneinander unabhängige Unternehmen aus verschiedenen Branchen zusammen. Bei Bosch fand der Wissenstransfer zwischen zwei Unternehmensbereichen statt.