Larry Hagman alias J. R. Ewing (links) | Blick auf die Hagman-Ranch in Ojai, Kalifornien (rechts), Quelle: Bing Maps

In „Dallas“, der wohl erfolgreichsten Fernsehserie der 1980er Jahre, spielte Larry Hagman den fiesen Ölbaron J. R. Ewing. In der Realität bevorzugt Hagman – ganz anders als sein Alter Ego im TV – alternative Energieformen und betreibt auf seinem kalifornischen Anwesen die größte privat genutzte Photovoltaikanlage der USA (rechts im Bild, hier gibt’s die Geodaten der Hagman-Ranch für Google Earth). Die wesentlichen Daten zur PV-Anlage: 102,7 kW Leistung – rund 150.000 kWh Leistungsabgabe pro Jahr. Den größten Teil des Solarstroms verbraucht Larry selbst auf seiner „kleinen Farm“ (O-Ton) mit 7 Schlafzimmern, 10 Badezimmern, Pool und Springbrunnen. Ein gutes Bild vom Solarguru selbst und seiner Villa kann man sich im Internet machen. Im November 2007 hat ein Fernsehteam den Schauspieler in den kalifornischen Bergen besucht. Auf Youtube gibt’s den 2½-minütigen Bericht, inklusive ein paar interessanter wirtschaftlicher Daten:

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750.000 US-Dollar hat Hagman 2003 in seine PV-Anlage gesteckt. Im nächsten Jahr sparte er dann 37.000 $. So hoch war zuvor seine Stromrechnung. Ihm blieben noch schlappe 13 $ Betriebskosten für seine Anlage. Für einen Mann mit 5 (!) Toyota Prius-Autos in der Garage spielt Geld keine große Rolle mehr. Eine spannende Frage für BWL-Interessierte lautet aber, ob sich eine derartige Investition wirklich lohnt. Ein Fall für die Kapitalwertmethode, bei der Einzahlungen (bzw. Einsparungen) und Auszahlungen, die über einen längeren Zeitraum anfallen, in Bezug auf den Investitionszeitpunkt abgezinst werden. In der Excel-Datei „J. R.’s Investitionsrechnung“ kann man die Kalkulation für drei unterschiedliche Szenarien nachvollziehen.

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  • Eine sehr einfache (zu einfache) Vorgehensweise ist im Register „Basis“ dargestellt: Wenn Larry Hagman pro Jahr 36.987 $ spart (37.000 – 13), zahlt sich die 750.000 $-Investition im Laufe des 21. Betriebsjahres aus. Das wäre etwa im Frühjahr 2024. Der J. R.-Darsteller ist dann 92 Jahre alt.
  • Solarfreund Hagman bezeichnet sich zwar in einem TAZ-Interview (hier nachzulesen) als schlechten Geschäftsmann, weist aber zu Recht auf den starken Anstieg der Energiepreise in den letzten Jahren hin. Ohne PV-Anlage wäre seine Stromrechnung also schon lange nicht mehr 37.000 $, sondern deutlich höher. Schaut man beim Bureau of Labor Statistics nach der Preisveränderung für Elektrizität (hier das pdf für Oktober 2010 öffnen), ergibt sich zwischen 2003 und heute ein durchschnittlicher jährlicher Anstieg um 5,1 %. Entsprechend vergrößern sich die jährlichen Einsparungen spürbar. 2018 wären es z. B. rund 74.000 $. Die Amortisationszeit, die der Investor braucht, um seine investierten Finanzmittel „wieder reinzuholen“, sinkt bei dieser Rechnung (Register „Electricity +5.1“) um 6 Jahre.
  • Noch ist die Rechnung aber nicht vollständig. Bei den ersten beiden Überlegungen werden Zinseffekte ausgeblendet. Das ist unrealistisch. Im Youtube-Video ist zu hören, dass der örtliche Energieversorger Larry Hagman einen 310.000 $-Kredit gab, um den Bau der PV-Anlage zu finanzieren – wohl kaum zinslos. Auch für die eingesetzten eigenen Mittel ist die Zinsfrage relevant. Schließlich hätte Larry alias J. R. seine 440.000 $ auch bei einem Finanzinstitut anlegen können, anstatt sie in Siliziumkristalle zu stecken. Bei einem angenommenen moderaten Zinsniveau von 4,0 % (gilt in der Rechnung als allgemeiner Schuld- und Guthabenzins) hätte Hagman ohne Investition jährlich 17.600 $ Guthabenzinsen erwirtschaftet und 12.400 $ Kreditzinsen gespart. Berücksichtigt der Entscheider solche Zinseffekte (siehe Register „Electricity +5.1 Zins 4.0“ in der Datei), muss er bis zum 20. Nutzungsjahr, also 2023, warten, damit sich seine Anlage lohnt.

Durch die Annahmen zum Anstieg der Stromkosten und zum Zinsniveau werden sogenannte Szenarien beschrieben, mögliche Zukunftsentwicklungen in den Umfeldern von Unternehmen bzw. in diesem Fall einer Einzelperson. Diese Entwicklungen haben maßgeblichen Einfluss auf die Kauf- bzw. Investitionsentscheidungen potenzieller Kunden. Je rasanter z. B. der Anstieg der Strompreise und je niedriger das allgemeine Zinsniveau, desto attraktiver sind Investitionen in Solaranlagen.

Die Excel-Datei zeigt auch den Kapitalwert für Hagmans PV-Anlage. Bei „Electricity +5.1 Zins 4.0“ und 25 Nutzungsjahren ist der Kapitalwert der Investition 261.819 $. Allgemein bedeutet ein positiver Kapitalwert, dass eine Investition einen höheren Vermögenszuwachs bringt als die Alternative „Nicht investieren“. Bei der Ermittlung des Kapitalwerts wird der Effekt zukünftiger Einzahlungen (Einsparungen) und Auszahlungen auf den gegenwärtigen Zeitpunkt (t0) bezogen. So lässt sich der Kapitalwert als derjenige Geldbetrag interpretieren, den ein Investor einmalig zum Zeitpunkt t0 erhalten müsste, um im Lauf der Nutzungszeit genau den gleichen Vermögenszuwachs wie bei der Realisierung der Investition zu erzielen.

Die Photovoltaik-Anlage auf der Hagman-Ranch muss – rein wirtschaftlich betrachtet – rund 20 Jahre, besser 25 Jahre funktionieren. Larry Hagman hat seine Investition aber auch mit der höheren Versorgungssicherheit begründet. Angesichts der massiven Stromausfälle in Kalifornien im Jahr 2001 ein starker Pluspunkt. Dennoch haben die Hagmans ihr Domizil 2009 für 11 Millionen US-Dollar zum Kauf angeboten (siehe hier). Noch hat sich kein Käufer gefunden, obwohl inzwischen „nur noch“ 9,5 Millionen US-Dollar zu zahlen wären. Wenn dieser Link zu realtor.com noch funktioniert, ist das Anwesen noch zu haben.