In diesem Blog gab es schon einige Hinweise auf Fach- und Lehrbücher (siehe Tag „Buchtipp/Buchrezension“). Erfolgreiche Mitarbeiterführung, Günter Behnischs architektonisches Werk und Irrtümer des Change Mangements sind aber nicht unbedingt Themengebiete zum Entspannen. Deshalb gibt’s heute mal eine etwas andere Empfehlung: Lesen Sie Martin Suter. Sehr kurzweilig und absolut weihnachtsgeschenktauglich. Der Schweizer Autor wurde 1948 geboren und arbeitete bis 1991 in der Werbebranche, zunächst als Kreativdirektor einer Werbeagentur in Basel, später eigenständig. Seit annähernd 20 Jahren konzentriert sich Suter auf das Schreiben von Romanen und Geschichten. Bisher sind von ihm sieben Romane, mehrere Bücher mit Geschichten aus der Welt des Managements (Reihe „Business Class“) und die Geschichtensammlung „Richtig Leben mit Geri Weibel“ erschienen.

„Die Leser schätzen an Martin Suter, dass er Geschichten schreibt, von denen man wissen will, wie sie weiter – und vor allem – ausgehen. Und dass Martin Suter auf den Punkt genau schreibt. Keine Schnörkel, keine langatmigen Beschreibungen, keine überflüssigen Details.“
aus einem Beitrag des Deutschlandfunks über Suter

Besonders gut gefallen mir zwei von Suters Romanen. Die Hauptperson in „Small World“ (1997 ) ist Konrad Lang, Mitte sechzig. Aufgrund einer Alzheimer-Erkrankung vergisst er zwar seine Erlebnisse der Gegenwart sofort wieder. Dafür erinnert er sich immer besser an seine Kindheit. Diese Entwicklung bereitet vor allem Elvira Senn Kopfzerbrechen, dem 80-jährigen Oberhaupt einer Schweizer Industriedynastie. Elvira hat etwas zu verbergen. Auch in „Ein perfekter Freund“ (2002) spielt die wiederkehrende Erinnerung eine zentrale Rolle. Der Journalist Fabio Rossi erwacht im Krankenhaus. Er weiß nicht mehr, was in den zurückliegenden 50 Tagen passiert ist. Die attraktive junge Frau, die sich über sein Erwachen freut, soll seine Freundin sein. Fabio hat sie nie zuvor gesehen. Schritt für Schritt rekonstruiert Fabio die Geschehnisse. Er hat seinen Job als Redakteur des ›Sonntag-Morgen‹ gekündigt. Aber warum? Und was steckt hinter der großen Sache über BSE, einen toten Chemiker und einen Industriekonzern, an der Fabio drangewesen ist?

Als BWL-Professor und ehemaliger Angestellter eines großen Industrieunternehmens habe ich auch an Suters 2- bis 3-seitigen Geschichten Freude, von denen sich jeweils rund 60 in den Büchern der „Business Class“-Reihe finden. Einige dieser Stories sind in einer Leseprobe des Diogenes-Verlages enthalten.

Am Ende überlisten sich die vermeintlichen Halbgötter in Nadelstreifen meistens selbst. So auch der tragische Held meiner Lieblingsgeschichte „Knechts schwerste Entscheidung“. Das Bild der baldigen Beförderung klar vor Augen plant Knecht, zur Zeit noch „mittlerer Kader I“, sehr gründlich die Ausstattung seines neuen Büros als „oberer Kader III“ (der Kader, schweizerisch = Führungskraft in Politik oder Industrie). Wie sich Knecht noch selbst ein Bein stellt, kann man im ersten „Business Class-Buch“ aus dem Jahr 2000 erfahren [Ergänzung: inzwischen auch auf → Google Books].

Nur der neueste Roman „Der Koch“ ist bisher allein als Hardcover erschienen. Alle übrigen Suter-Bücher gibt es auch als Taschenbücher zum Preis von ca. 10 Euro. Am 16.12.2010 kommt übrigens die Verfilmung von „Small World“ mit Gérard Depardieu in die Kinos (auf der Seite zum Film gibt es auch einen Trailer).

Noch ein letzter Tipp für alle, die Martin Suters Werke schon kennen: Ich finde, Ferdinand von Schirach schreibt ähnlich klar und schnörkellos.