Produktion von Praktica-Kameras (1969) und Trabant-Pkw (1990)
Fotos: Technische Sammlungen Dresden, Martin Roemers

Heute jährt sich die Deutsche Wiedervereingung zum 20. Mal. Mit dem Untergang der DDR ging damals nicht nur ein diktatorisches Unrechtsregime zu Ende, sondern auch der für Deutschland erste und hoffentlich letzte planwirtschaftlich-kommunistische Großversuch. Drei wesentliche Charakteristika des DDR-Wirtschaftssystems waren:

  1. In der DDR-Wirtschaft wurde ein zentraler Volkswirtschaftsplan verfolgt. Die zentrale Staatliche Plankommission stellte nach sowjetischen Vorbild Fünfjahrespläne auf. Darin vorgegeben wurden z. B. Produktionsmengen, einzusetzende Ressourcen, einheitliche Preise und Löhne.
  2. Während für marktwirtschaftliche Unternehmen das Ziel der Gewinnmaximierung kennzeichnend ist, war das übergeordnete Ziel der DDR-Betriebe die mengenmäßige Planerfüllung. Man spricht auch von einer „Tonnenideologie“, bei der einfach mess- und summierbare Größen im Mittelpunkt stehen, ohne dass Nachfrage, Kundennutzen oder Qualität eine maßgebliche Rolle spielen.
  3. Es gab in der DDR kein Privateigentum an Produktionsmitteln. Der Begriff des volkseigenen Betriebs (VEB) zeigte dies deutlich an. Dagegen gehören die Vermögensgegenstände eines privatwirtschaftlichen Unternehmens dem begrenzten Kreis der Eigentümer. Bei einer Aktiengesellschaft sind dies z. B. die Aktionäre.

Mit diesen Festlegungen wurden die Weichen auf’s wirtschaftliche Abstellgleis gestellt. Ende der 1980er Jahre betrug die Wartezeit für einen Trabbi über 12 Jahre. Die Produktivität erreichte damals in der DDR nur noch ein Drittel des westdeutschen Niveaus. Zwar gibt es für den enormen Rückstand auch andere Ursachen als die unterschiedlichen Wirtschaftsordnungen in Ost und West. So war schon Anfang der 1950er Jahre die Produktivität in ostdeutschen Betrieben niedriger als in westdeutschen. Hinzu kamen dann aber die grundlegenden Informations-, Anreiz- und Innovationsprobleme der DDR-Planwirtschaft.

Einen entscheidenden Denkfehler der DDR-Führung bringt Professor Karl-Heinz Paqué (Universität Magdeburg) auf den Punkt:

„Worin bestand das Ziel der Planwirtschaft als Teil der sozialistischen Ideologie? Stark vereinfacht lautet die Antwort: Technik ohne Unternehmertum. Nicht vom Markt geleitete Unternehmer sollten Kurs und Geschwindigkeit des wirtschaftlichen Fortschritts in der Gesellschaft bestimmen, sondern allein politisch gesteuerte Techniker. […] Es fällt eigentlich gar nicht schwer, sich die Radikalität und Tragweite einer Herrschaft der Technik ohne Unternehmertum vor Augen zu führen. Denn der Wohlstand einer Gesellschaft beruht auf nichts anderem als auf unternehmerisch umgesetzter Technik und technisch versiertem Unternehmertum. […] Wachstum wurde [in der DDR] als eine Art Selbstläufer betrachtet, verursacht durch einen technischen Fortschritt, um dessen Fortgang, Geschwindigkeit und Umsetzung man sich nicht sorgen musste.“ (Hervorhebung nicht im Original).

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Für unternehmerische Initiative zur Steigerung des persönlichen Wohlstands gab es im DDR-System keinen Platz. Schaut man zum Vergleich auf die Erfolgsgeschichten ideenreicher und energiegeladener Unternehmerpersönlichkeiten in Westdeutschland, wird deutlich, dass die DDR-Planwirtschaft scheitern musste.

In manchen Ländern der Erde laufen planwirtschaftlich-kommunistische Experimente dennoch weiter, seit jeweils rund 50 Jahren in Nordkorea und auf Kuba. Obwohl Hungersnöte mit Hunderttausenden Toten (Nordkorea) und allgegenwärtige Mangelwirtschaft (Kuba) mögliche Nachahmer abschrecken sollten, hat man sich unter Präsident Chávez vor ein paar Jahren auch in Venezuela auf den Weg in die sozialistische Planwirtschaft gemacht. Wer aber Zweifel an den verheerenden Wirkungen dieser Wirtschaftsordnung hat, sollte sich auf FAZ.NET durch die Fotoserie „Pjöngjang im August“ von Reinhard Krause klicken.

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Und anschließend mit einem Glas Sekt (vielleicht mit dem „Schampus der Einheit“ aus der Rotkäppchen-Kellerei) auf das Ende der DDR und ihres so ineffektiven wie ineffizienten Wirtschaftssystems anstoßen. Zum Wohl, Marktwirtschaft. Zum Wohl, vereinigtes Deutschland.