Was ließe sich hier besser machen? Tabelle in der FAZ vom 23. Juli 2013
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Beim Lesen meiner Lieblingszeitung blieb mein Blick heute an einer kleinen Tabelle hängen (siehe oben). Nicht deshalb, weil sie mir besonders gut gefiel, und auch nicht deshalb, weil ich mich für die Geschicke des niederländischen Philips-Konzerns sehr interessieren würde.

Die Tabelle ist handwerklich schlecht gemacht und leider auch fehlerhaft.

Auf den Spaltenköpfen steht zwar „2012“ und „2013“, die Zahlenwerte darunter beschreiben aber nur Umsatz, Cash-Flow und Gewinnkennzahlen des jeweils 1. Halbjahres. Das kann man – wenig lesefreundlich – der Fußnote 1) entnehmen. Wenn man’s ganz exakt deutet, müsste also das 1. Halbjahr 2012 mit dem vollen Jahr 2013 verglichen werden. Bei „2013“ steht schließlich keine Einschränkung. Da auch für zweizeilige Spaltenköpfe Platz gewesen wäre, hätte man besser „1. Hälfte 2012“ oder „1. HJ 2012“ geschrieben.

Hinter einer FAZ steckt angeblich immer ein kluger Kopf (ein paar besonders kluge Köpfe kann man sich → hier anschauen). Der Gestalter der Infografik geht aber offenbar von anderen Voraussetzungen aus. Als Ergänzung der prozentualen Veränderungen gibt’s deshalb noch ein Pfeilsymbol in der letzten Spalte. Meinetwegen. Aber eine ziemlich willkürliche Zuordnung wurde da getroffen. Für +1,5% Umsatzwachstum gibt’s einen roten Pfeil nach unten rechts. Hä?!

+22,3% und +311% sind stattliche Zuwachsraten bei EBIT und Nettogewinn. Jeweils zeigt ein blauer Pfeil senkrecht in die Höhe. +53,1% ist mehr als +22,3%. Da würde ich ja mit einem dritten Pfeil rechnen, der steil nach oben weist. Für die Cash-Flow-Entwicklung soll dann aber ein schräger Pfeil nach rechts oben genügen. Irgendwie schräg, meine ich. Auf den zweiten Blick findet man eine Erklärung. +22,3%-Zuwachs beim EBIT? Da hat sich einer glatt verrechnet. Von 229 auf 509 entspricht plus 122,3 Prozent.

Japanische Autobauer pflegen Perfektion auch im Kleinen, wurde mir im Studium erläutert. Nach dieser Maxime würde ich, wenn’s um Zahlenwerte geht, die in einer Tabelle untereinander stehen, diese rechtsbündig ausrichten. Einer-Stellen, Zehner-Stellen, Hunderter-Stellen etc. jeweils schön untereinander. In der 2013er-Spalte hat’s geklappt, die „5570“ in der 2012er-Spalte schert dagegen (leicht) nach recht aus. Der Abstand zwischen den Spalteninhalten ist sehr unregelmäßig. Viel Freiraum zwischen der ersten Spalte mit den Zeilenköpfen und der 2012er-Spalte. Ganz nah kommen dagegen die prozentualen Veränderungen den Werten in der 2013er-Spalte.

Zugegeben, das war jetzt mal Jammern auf hohem Niveau. Denn eigentlich bin ich mit „meiner“ FAZ und ihrem Wirtschaftsteil sehr zufrieden.
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Ergänzung, 31.07.2013:

Die Grafikdesigner der FAZ basteln noch ein bisschen an ihren neugestalteten „Ergebnischarts“ herum. Diese Gegenüberstellung zeigt vier mögliche Verbesserungsmassnahmen:

Gehäuft lassen auch kleine Nachlässigkeiten eine Tabelle schlampig erscheinen. Hier ein paar Tipps zum Feintuning.

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Ergänzung, 01.08.2013:

Kompliment, liebe FAZ, das ging schnell. Ob außer mir viele Leser die kleinen Anpassungen bemerkt haben? Ich weiß es nicht. Mir gefällt’s jetzt jedenfalls besser. Und das mit den rechtsbündigen Zahlenreihen bekommen die Grafiker auch noch hin.