Hochschule Ulm – Günter Behnisch – Olympiagelände München

Was haben die Hochschule Ulm und die Sportstätten auf dem Münchner Olympiagelände gemeinsam? Sie wurden vom selben Architekt entworfen, Günter Behnisch. Er ist vor wenigen Tagen im Alter von 88 Jahren gestorben. Er wurde 1922 in der Nähe von Dresden geboren und studierte Architektur in Stuttgart. 1952 gründete er dort sein erstes Büro. Nach dem Olympiagelände in München (die Idee für die schwebenden Dächer dort hatte übrigens nicht Behnisch, sondern Frei Otto) zählen der Plenarsaal des Bundestages in Bonn (1992-93) und der Neubau der Berliner Akademie der Künste (1993-2005) zu seinen bekanntesten Werken. Behnisch galt als „einer der führenden deutschen Architekten der Moderne“ (FAZ).

Ende der 1950er Jahre gab es in Deutschland einen großen Nachholbedarf bei der Ausbildung von Fachingenieuren. So wurde für Ulm der Bau der Staatlichen Ingenieurschule im Bereich zwischen Stuttgarter Straße und Prittwitzstraße beschlossen. 1958 wurde der Architekturwettbewerb dafür ausgeschrieben. 82 Entwürfe wurden eingereicht. Behnischs Vorschlag gewann den 1. Preis und wurde in mehrfacher Hinsicht gelobt:

„Die Gesamtdisposition ist sehr natürlich aus den Gegebenheiten des Geländes entwickelt; die ganze Bauanlage ist sehr schön der Stadt zugewandt. Sehr sympathisch ist in städtebaulicher Hinsicht die mäßige Höhenentwicklung; sie ist auch betrieblich ein großer Vorteil. (…) Die Lage der Aula am Eingang ist überzeugend und auch für Veranstaltungen außerhalb der Schule sehr zweckmäßig. Die Mensa in großer Breite nach Süden gerichtet, geschützt unter dem südlichen Hauptbau gelegen, ist eine glückliche Idee. Auch die Verbindungen zum Grünbereich sind gut ausgebildet. (…) Das Ganze zeigt eine maßstäblich feine, sorgfältige Durchbildung und eine sehr schöne Verzahnung mit der Umgebung.“ (damaliges Preisgerichtsprotokoll, zitiert nach Spieker 2006, S. 67 f.)

Besonders bemerkenswert am Bau der Ulmer Ingenieurschule, die 1972 in Fachhochschule umbenannt wurde und heute Hochschule heißt, waren auch Konstruktion und Bauweise. Behnisch und seine Mitstreiter mussten eine sehr kurze Bauzeit einhalten: Nur 1 1/2 Jahre standen zwischen dem Baubeginn im Juli 1961 und dem geplanten Einzug im November 1962 zur Verfügung. Die neuartige Montagebauweise mit Betonfertigteilen kam zum Einsatz. Die Fertigteile waren 3,0 Meter x 3,0 Meter groß. So entstand in Ulm „das erste in großen Teilen voll vorgefertigte öffentliche Gebäude in Deutschland, mit der innovativen Nutzung von industriell hergestellten Bauteilen sowohl in Rohbau, Konstruktion und Fassade als auch im Innenausbau.“ (Spieker 2006, S. 70). Der Bau der Ulmer Ingenieurschule war für Behnisch ein großer Erfolg und bestärkte ihn, weiter für den konsequenten Einsatz von industriellen Vorfertigungsmethoden einzutreten.

Wer mehr über Günter Behnisch erfahren will, findet in der Hochschulbibliothek der Hochschule Ulm drei Bücher über seine Arbeiten (Signaturen: 72.036 Bau, 72.036 Beh und 72.036 Gau). Auf dem Online Publication Server der Universität Stuttgart findet man den Volltext der Dissertation „Günter Behnisch – die Entwicklung des architektonischen Werkes : Gebäude, Gedanken und Interpretationen“ von Elisabeth Spieker (2006). Dort ist auf den Seiten 67 bis 71 im Dokument 3.pdf ausführlich der Bau der Ingenieurschule Ulm beschrieben. Unter anderem in der FAZ, in der SZ und auf Spiegel Online erschienen nach seinem Tod Würdigungen von Günter Behnisch.

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