Braver Jack-Russell-Terrier | Centrotherm-Zentrale in Blaubeuren | Weihnachts-
briefmarke (Fotos: das freundliche Herrchen, dpa, wohlfahrtsmarken.de)

Nach 19 Semestern rechnet man als Professor für seine Vorlesungen nicht mehr mit größeren Überraschungen. Die finden aber stets dann statt, wenn man sie nicht erwartet hat. Das wusste schon der reimende Wilhelm Busch. Meine Überraschung des Hochschuljahres heisst Luna, ist ein Jack-Russell-Terrier und seit ein paar Wochen Gasthörerin in meiner BWL-Vorlesung. Meist etwas schläfrig, auf alle Fälle aber sehr diszipliniert.

Apropos Hund. Auf den Hund gekommen sind in Ulm und um Ulm herum während des fast abgelaufenen Jahres gleich zwei große Industrieunternehmen. Im Juli schock­te die Insolvenz des Solaranlagenbauers Centrotherm die Region. Nokia, finnischer Handy-Riese in Not, machte im September seinen Ulmer Standort für Forschung und Entwicklung mit über 700 Mitarbeitern dicht. Aber auch bei den Nutzfahrzeugherstellern wurden zahlreiche Stellen abgebaut. Die Fiat-Tochter Iveco Magirus beendete die Produktion schwerer Lkw im Donautal. Evobus baut in Neu-Ulm zwar weiterhin Reisebusse, aber nur noch solche der Traditionsmarke Setra. Die Mercedes-Modelle kommen künftig aus der Türkei. Weitere Problemfälle ließen sich aufzählen und außerdem gab’s ja auch noch Schlecker, die allergrößte Unternehmenspleite 2012.

Doch das hier ist – wie es sich zu Weihnachten gehört – ein Posting mit positiver Grundbotschaft. „Die Krise der Etablierten wird zur Chance der Neuen.“ Das Zitat stammt von Tom Sommerlatte, ehemals Deutschlandchef der Unternehmensberatung Arthur D. Little. Ich weiß nicht, wann er das sagte, aber die Aussage ist zeitlos und bestätigte sich auch in den vergangenen Monaten. Im früheren Nokia-Gebäude gibt es bereits Nachmieter. Der Autozulieferer Continental richtet einen neuen Forschungsstandort des Bereichs Chassis & Safety ein. Auch BMW und Audi fahren auf den Ulmer Science Park ab. Die BMW Car IT entwickelt Software für Kommunikationstechnologien im Auto. Es gibt aber auch feine Beispiele aus dem Bereich kleiner Unternehmen. Gestartet ist in Ulm beispielsweise alamedics. Elf Mitarbeiter haben die Entwicklung und Produktion von Flüssigkeiten und Gase begonnen, die Augenoperationen erleichtern und nach einer Augen-OP die Heilung beschleunigen (→ zur alamedics-Homepage).

In den Zusammenhang positiver Meldungen aus der Region Ulm passt auch die Meldung, dass Michael Sift, der Medizintechnik an der Hochschule Ulm studiert hat, gerade von der Carl-Duisberg-Gesellschaft für seine Abschlussarbeit ausgezeichnet wurde. Sift entwickelte ein mobiles System zur Wasserdesinfektion auf der Basis der LED-Technologie. In Entwicklungsländern sterben nach UNESCO-Schätzungen mehr Kinder an verseuchtem Trinkwasser als an Aids, Malaria und Tuberkulose zusammen. Ob und – wenn ja – wie sich das Konzept kommerzialisieren lässt, wird nun geprüft. Mit optimierten und kostengünstigeren LED könnten herkömmliche Desinfektionsverfahren abgelöst werden (→ zur Pressemitteilung).

Von Terrier Luna zu Larry, dem zwitschernden blauen Vögelchen. Jahre nach Rihanna, aber immerhin ein paar Wochen vor dem Papst habe ich im September meine erste Kurznachricht auf Twitter veröffentlicht. Es gibt sogar schon drei Follower (danke, Alexander!). Für einen amerikanischen Professor ist mein Account einer von über 2.600, denen er folgt. Ich bezweifle ein bisschen, dass er wirklich alles von mir liest und versteht. Aber sei’s drum.

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Google gibt am Jahresende die beliebtesten Suchwörter bekannt. Ich habe für diesen Blog nachgeschaut, bei welchen Einträgen die Besucher die meiste Zeit verbracht haben (für mich genauso wichtig). Nimmt man nur Postings, die 2012 entstanden, ergibt sich diese Rangfolge. Fußball schlägt Gleichteile und Photovoltaik.

Wie im vergangenen Jahr habe ich als Beiwerk für meine Weihnachtsbriefe ein vierseitiges „Bläddle“ verfasst. Es geht darin um die Bedeutung des Zeitfaktors im Wettbewerb, ein Thema über das sich Betriebswirte die Köpfe heißreden können. Bringt ein früher Markteintritt zählbare Vorteile (First Mover Advantages)? Oder lachen am Ende eher die Nachzügler, die clevere Ideen kopieren und sich den Aufwand ersparen, mit Produkten auf der Basis früher Technologiegenerationen mühsam auf Kundensuche zu gehen?

Updates

„All Conditions Control-Technologie, Glasfasersohle, Teijin-Mikrofaserkunstleder und Dual-Density Direct-Inject-Stollen“ – Was sich mehr nach Science Fiction anhört als Begriffe aus einer Produktbeschreibung des Jahres 2012 steckt alles im Nike Mercurial Vapor VIII CR, dem Fußballschuh, mit dem Weltstar Cristiano Ronaldo auf Torejagd geht. Deutlich weniger Technologie ist bislang im Spiel, wenn Schiedsrichter entscheiden, ob ein Ball im Tor war oder nicht. Das wird sich aber demnächst ändern, wie man in den „Updates 2012/13“ nachlesen kann.

Letzter Satz 2012: Allen zwei- und vierbeinigen Freunden dieses Blogs wünsche ich frohe Weihnachten und alles Gute 2013.