Für Bayern München jubeln Dante, Lahm und Martinez, für Borussia Dortmund schmusen Piszczek und Reus (Fotos: 2x tumblr.com)

Am vergangenen Samstag (1.12.) trafen in der Fußball-Bundesliga die Münchner Bayern auf Borussia Dortmund. Passend zum Spitzenspiel hatten beide Clubs in den Tagen davor auch wirtschaftlich eindrucksvolle Erfolgszahlen veröffentlicht. Für die Profifußballer vom FC Bayern München (FCB) ist das total normal. Die Spielzeit 2011/12 brachte Rekordeinnahmen und war die 20. in Serie, die mit Gewinn abgeschlossen wurde. Beim Ballspielverein Borussia aus Dortmund (BVB) sah es dagegen vor sieben, acht Jahren noch zappenduster aus. „Miese ohne Ende“ lautete damals eine Überschrift. 2004/05 machte der BVB 80 Millionen Euro Verlust und erwirtschaftete nur 75 Millionen Euro Umsatz. Wohl nur in der deutschen Solarindustrie findet man gerade ähnliche Beispiele. Die meisten Unternehmen mit solchen Kennzahlen haben schnell einen Termin beim Insolvenzrichter. Der Kurs der BVB-Aktie (WWW-Link) kannte jahrelang nur eine Richtung – steil abwärts. Am allerersten Börsentag, dem 31. Oktober 2000, war die erste deutsche Fußballaktie noch 10,31 € wert. Am 2. April 2009 wurde der historische Tiefstand von 82 Cent erreicht. Nach den beiden Meistertiteln 2011 und 2012 sind die Schwarzgelben aus der Ruhrgebietsmetropole nun auch finanziell wieder „Back in the Game“, wie der Experte für Fußballfinanzen namens „Swiss Rambler“ in seinem Blog bestätigt.

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Wir schauen in diesem Blog-Eintrag auf die Jahresabschlüsse beider Fußballclubs. Was lässt sich aus den Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnungen (GuV) und Kapitalflussrechnungen herauslesen? Bevor’s richtig losgeht, aber noch ein paar Hinweise zu grundlegenden Unterschieden. Das Geschäft mit dem Profifußball wird in München in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft (AG) geführt, in Dortmund als GmbH & Co. KGaA. Hinter diesem Abkürzungsungetüm steht eine besondere Art von Kommanditgesellschaft (KG), bei der es einerseits Aktionäre (aA = auf Aktien) und andererseits eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung als Eigentümer gibt. In vielen Aspekten ist eine GmbH & Co. KGaA einer klassischen AG ähnlich. So ist das Borussia-Kapital auf 61.425.000 Aktien aufgeteilt. Davon gehören momentan rund 11 Prozent dem Unternehmer Bernd Geske und 7 Prozent dem eingetragenen Verein (e.V.) Borussia Dortmund. Der große Rest befindet sich in Streubesitz. Weil die BVB-Aktie börsennotiert ist, müssen auch unterjährig Geschäftsberichte erstellt werden. Als kapitalmarktorientiertes Unternehmen muss der BVB seine Geschäftszahlen schon innerhalb von vier Monaten veröffentlichen. Auf dem gelbschwarzen Server findet man deshalb jede Menge aktuelle Finanzinformationen, darunter auch den Geschäftsbericht 2011/12 (1.7.11-30.06.12). Aus diesem stammen die in diesem Blog-Post verwendeten Bilanz-, GuV- und Cash-Flow-Daten.

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Die 27,5 Millionen FC Bayern-Aktien werden − anders als viele ihrer Dortmunder Artgenossen – nicht an einer Börse gehandelt. Es gibt nur drei Aktionäre: den FC Bayern München e.V. (22,5 Mio. Aktien), die Adidas AG und die Audi AG (je 2,5 Mio. Aktien). Ohne Börsennotierung sind die Publikationspflichten weniger streng. So informiert der FC Bayern zwar regelmäßig im Spätherbst über den wirtschaftlichen Erfolg in der vorangegangenen Spielzeit, aber nicht im Detail. Gehaltvoller sind dagegen die Geschäftsberichte, die der FCB wie alle Kapitalgesellschaften in Deutschland für den Elektronischen Bundesanzeiger zur Verfügung stellen muss. Dort kann man sie leider erst mit ca. einem Jahr Zeitverzug nachlesen. Zuletzt wurde am 2. August 2012 der Abschluss des Geschäftsjahres 2010/11 veröffentlicht, das zum 30. Juni 2011 endete. Der zweite Link hier führt zu einem pdf-Dokument, das ich vor ein paar Tagen erstellt habe. Die nachfolgenden Übersichten zu Bilanz, GuV und Kapitalflussrechnung der FCB AG sind deshalb nur für 2010/11 vollständig, für 2011/12 aber nur sehr bruchstückhaft gefüllt.

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Noch zwei weitere Bemerkungen vorab. Zum einen fallen beim Blick in die Bilanzen unterschiedliche Bezeichnungen auf. Das liegt daran, dass der börsennotierte BVB nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) bilanzieren muss. Der FC Bayern rechnet dagegen nach der Systematik des deutschen Handelsgesetzbuches (HGB) ab. Zum anderen sollte der ambitionierte Bilanzanalytiker darauf achten, ob er den Einzelabschluss der Muttergesellschaft oder den umfassenderen Konzernabschluss vor sich hat. Zum FC Bayern-Konzern gehört z. B. auch die Allianz Arena München Stadion GmbH. Die ist zwar rechtlich eigenständig, als 100 %-Tochter wirtschaftlich aber vollständig unter der Kontrolle ihrer Muttergesellschaft, der FCB AG. Ganz ähnlich ist es bei der BVB-Unternehmensgruppe, zu der unter anderem auch die BVB Stadion Holding GmbH und die BVB Merchandising GmbH gehören. Die nachfolgenden Tabellen zeigen die Finanzzahlen der beiden Fußballkonzerne.

Die Bilanz: Bärenstarke Bayern

In der Bilanz eines Unternehmens findet man Informationen über die Vermögenslage zu einem bestimmten Zeitpunkt. Der jährliche Bilanzstichtag ist bei europäischen Fußballclubs meist der 30. Juni, passend zum Ende des sportlichen Teils der Saison. Die Münchner Bayern verfügen zurzeit über ein Gesamtvermögen von einer halben Milliarde Euro (Bilanzsumme 509 Mio. €). Gut die Hälfte der FCB-Vermögenswerte („Aktiva“) stecken in der Position Sachanlagevermögen. Das umfasst allgemein Grundstücke, Gebäude, Anlagen und die Geschäftsausstattung, beim FCB also vor allem die Allianz Arena. Diese wurde von 2002 bis 2005 gebaut. Kosten damals: 350 Mio. Euro. 300 Mio. € wurden dabei in den Bau investiert, 50 Mio. € in technische Anlagen. Für die heutige Bewertung sind das die historischen Ausgangswerte. Sie werden jährlich um die sogenannten Abschreibungen reduziert. Diese Wertminderungen betrugen von 2005 bis zum 30.06.11 insgesamt ca. 65 Mio. €. Das Stadion selbst wurde Mitte 2011 noch mit 245 Mio. € bewertet (300 – 55 Abschreibungen). Die im Stadion installierten technischen Anlagen waren bis dahin schon auf ca. 10 Mio. € abgeschrieben (50 – 40 Abschreibungen). Das übrige Sachanlagevermögen, ca. 24 Mio. €, dürfte größtenteils im FCB-Vereinsgelände an der Säbener Straße stecken.

Konzern-Bilanz der FC Bayern München AG zum 30.06.
(in Millionen Euro)
AKTIVA 11/12  10/11 PASSIVA 11/12 10/11
Anlagevermögen (AV)
– Immaterielles Vermögen
– Sachanlagen
– Finanzanlagen

Umlaufvermögen (UV)
– Vorräte
– Forderungen
– Liquide Mittel

Rechnungsabgrenzungs-
posten (RAP)
354
72
.
.

149
.
.
.

6
330
37
279
13

179
7
28
144

10
Eigenkapital (EK)
– Gezeichnetes Kapital
– Kapitalrücklage
– Gewinnrücklage
– Jahresüberschuss

Rückstellungen
Verbindlichkeiten
– davon langfristig:
– davon mittelfristig:
– davon kurzfristig:

Rechnungsabgrenzungs-
posten (RAP)
249
28
.
.
.

16
175
.
.
.

69
239
28
173
37
1

26
178
97
21
59

76
Bilanzsumme 509 519 Bilanzsumme 509 519

Zum langfristigen Vermögen (Anlagevermögen) zählen auch die immateriellen Vermögenswerte. Mitte 2011 wurden beim FCB unter dieser Position 37 Millionen Euro bilanziert, ein Jahr später fast das Doppelte (72). Dahinter verbirgt sich vor allem der Bilanzwert – man sagt auch Buchwert – des Spielerkaders. Hier wird aber nur dann ein Zugang gebucht, wenn ein Verein einen Spieler im Zuge eines Vereinswechsel verpflichtet und dafür eine Ablösesumme zahlt. Beispiel Manuel Neuer: Der Torwart wurde 2011 vom FC Schalke 04 an die Isar geholt. Schalke erhielt von den Bayern 22 Millionen Euro. Am 1.7.2011, seinem ersten Arbeitstag in München, hatte der Keeper der Nationalmannschaft somit den Bilanzwert 22 Mio. €. Entsprechend der Laufzeit der Spielerverträge wird dieser Bilanzwert nach und nach in gleichbleibenden Schritten (linear) um Abschreibungen vermindert. Neuer unterschrieb in München einen 5-Jahres-Vertrag. Sein immaterieller Wert in der Bilanz am 30.06.12, ein Jahr nach seinem Dienstantritt beim FCB? 22 Mio. € (Anschaffungskosten) – 22 : 5 (lineare Abschreibung für die Spielzeit 2011/12) = 17,6 Mio. €.

Natürlich weiß auch Uli Hoeneß, wie Abschreibungen kalkuliert werden. Anlässlich des Kaufs von Javi Martínez gab Bayerns Oberboss der Süddeutschen Zeitung ein Interview. »Auf dem Konto der Bayern liegen jetzt 40 Millionen weniger. „Das“, sagte Hoeneß der SZ, „ist allerdings völlig wurscht.“ In der Bilanz werde Martínez wegen seines Fünf-Jahres-Vertrages ohnehin nur „mit acht Millionen pro Jahr abgeschrieben“« (→ sueddeutsche.de).

Bilanztechnisch betrachtet, ist übrigens Neuers und Martínez’ Teamkollege Franck Ribéry nichts mehr wert. Der kam Mitte 2007 für 25 Millionen Euro und schloss einen 4-Jahres-Vertrag ab. Die FCB-Buchhaltung hat den französischen Mittelfeldstar also bis Juni 2011 auf 0 Euro Restbuchwert abgeschrieben. Ribérys Vertragsverlängerung bis 2015 („Ich will hier nicht mehr weg!“) ändert daran nichts. Wertmäßig hinterlassen auch diejenigen Spieler keine Spuren in der Position Immaterielles Vermögen, die aus der eigenen Nachwuchsabteilung kommen. Beim FC Bayern sind das beispielsweise Kapitän Philipp Lahm, Abwehrspieler Holger Badstuber und Werbeikone Bastian Schweinsteiger (→ zum Blog-Eintrag „Testimonials: Wo Schweini besser als Rihanna wirkt“).

Die Bilanz spiegelt also nicht den wirklichen Marktwert des Kaders wider. Darüber macht man sich z. B. auf den Seiten des beliebten Fußballportals transfermarkt.de Gedanken. Die 27 aktuellen FCB-Spieler haben dort einen vermuteten Marktwert von zusammen 416 Millionen Euro (Stand 1.12.12). Mitgezählt sind dabei schon die letzten Neuzugänge Martínez (40 Mio. €), Mandzukic (13), Shaqiri (11,8) und Dante (4,7). In den immateriellen Vermögenswerten vom 30.06.12 (72 Mio. €) waren diese Spieler noch nicht enthalten. Dennoch wird deutlich, dass der FC Bayern über erhebliche stille Reserven verfügt. Die echten Spielerwerte sind 200 bis 250 Millionen Euro höher als die bilanziellen. Auch wenn ich transfermarkt.de nicht alles glauben kann. Die 42.000.000 € bei Mario Gomez sind einfach zu optimistisch.

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Borussia Dortmunds Anlagevermögen ist kleiner als das der Bayern, mit 210 Millionen Euro aber durchaus beachtlich. 128 Mio. € Buchwert (GB 11/12, S. 131) entfallen dabei auf die Spielstätte. Das ehemalige Westfalenstadion wurde zur WM 1974 fertiggestellt und mehrmals erweitert sowie renoviert. Es bietet Platz für 80.000 Zuschauer und ist das größte in Deutschland. In die Allianz Arena passen „nur“ 71.000 Zuschauer. Der Bilanzwert orientiert sich aber nicht am Fassungsvermögen. Das Münchner Stadion mit seiner Schlauchboot-Optik ist jünger und ein größerer Renovierungsbedarf ist für die kommenden 10 bis 15 Jahre nicht zu erwarten.

Konzern-Bilanz der Borussia Dortmund KGaA zum 30.06. (IFRS)
(in Millionen Euro)
AKTIVA 11/12 10/11 PASSIVA 11/12 10/11
Langfristiges Vermögen
– Immaterielles Vermögen
– Sachanlagen
– Finanzanlagen/Sonstiges

Kurzfristiges Vermögen
– Vorräte
– Forderungen
– Liquide Mittel
– Aktive RAP
210
26
183
2

38
6
25
5
3
197
18
171
7

25
2
20
1
2
Eigenkapital (EK)
– Gezeichnetes Kapital
– Rücklagen

Langfristige Schulden
Kurzfristige Schulden
93
61
32

93
62
68
61
6

91
63
Bilanzsumme 249 222 Bilanzsumme 249 222

Riesengroß ist der Unterschied zwischen beiden Clubs bei der Liquidität. Die liquiden Mittel bestehen aus Bankguthaben und Kassenbeständen. Nach der Saison 2010/11 verfügte die Bayern München-Unternehmensgruppe über 144 Millionen Euro unmittelbar verfügbarer Zahlungsmittel. Ein Jahr später war das Umlaufvermögen zwar etwas kleiner. Dennoch war es kein Problem für die Münchner, Ende August 2012 die Rekordsumme von 40 Millionen Euro für Javi Martínez aufzubringen.

„Lange, lange, lange Zeit“ habe man bei dieser Personalie überlegt, erzählte FCB-Aufsichtsratschef Uli Hoeneß der Süddeutschen Zeitung. Das Geschäft habe man am Ende aber auch deshalb mit Überzeugung getätigt, „weil wir es uns leisten können. Wir haben die 40 Millionen ja nicht von der Kredit-Abteilung geholt, sondern von der Festgeld-Abteilung“ (→ sueddeutsche.de vom 12.09.12 „40 Millionen weniger“).

Finanziell werden derweil in Dortmund (noch) deutlich kleinere Brötchen gebacken. Als das bayrische Festgeldkonto Mitte 2011 fast überquoll, hatte der BVB gerade mal 1,1 Millionen Euro auf dem Girokonto. Ein Jahr später, nach Gewinn der zweiten deutschen Meisterschaft in Folge, waren die liquiden Mittel zumindest auf 5,3 Mio. € angewachsen.

Bei Borussia Dortmund ist der Anteil des langfristigen Vermögens sehr hoch, 84 % des Gesamtvermögens (30.06.12). Bei Bayern München FCB ist diese Kennzahl (Intensität des Anlagevermögens) deutlich kleiner. Das Verhältnis von 70:30 zwischen Anlage- und Umlaufvermögen bedeutet eine größere kurzfristige Manövrierfähigkeit.

Eine Bilanz zeigt auch den Schuldenstand eines Unternehmens. Wie wurden die Vermögenswerte finanziert? Mit Krediten? Beim BVB stehen 249 Millionen Euro Vermögen lang- und kurzfristige Schulden von 155 Millionen Euro gegenüber. Das sind 62 Prozent der Bilanzsumme. Anders formuliert, 38 Prozent sind echtes Vermögen, das den Eigentümern und nicht den Gläubigern zusteht, denen gegenüber die Zahlungsverpflichtungen bestehen. Dieser Anteil des Rein- bzw. Nettovermögens wird auch mit dem Begriff Eigenkapitalquote beschrieben. 38 Prozent EK-Quote bei Dortmund sind schon ein ordentlicher Wert. Vor allem wenn man bedenkt, dass der Club nach dem Horror-Geschäftsjahr 2004/05 fast kein Eigenkapital, aber 120 Millionen Euro Schulden hatte (siehe auch „Wir standen einen Millimeter vor der Insolvenz“, Interview mit BVB-Geschäftsführer Watzke im September 2006).

Die Bayern-Bilanz zeigt eine 49-prozentige Eigenkapitalquote. Das ist umso bemerkenswerter, weil der Club für die Finanzierung des Arena-Baus zwangsläufig ein paar hohe Kredite aufnehmen musste. Allerdings setzt der FCB auf eine Turbotilgung. Nach dem Geschäftsjahr 2009/10 hatten die Münchner noch 243 Mio. € Verbindlichkeiten. Zwei Jahre später sind es noch 175 Mio. €. Dazu passt die Aussage von Uli Hoeneß, der dem Handelsblatt im Oktober 2011 sagte, schon 2017 („in sechs Jahren“) sei das Stadion abbezahlt (siehe den früheren Blog-Eintrag „Abstiegs(un)gefährdete Bayern“).

Zwischenstand nach der Analyse der Bilanz:
1:0 für Bayern München (67 Minute: Kroos)

Die Gewinn- und Verlustrechnung: Renditestarke Dortmunder

Die Bilanz ist eine Momentaufnahme von Vermögen, Schulden und Eigenkapital zum Geschäftsjahresende. Dagegen gibt die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) ein Bild davon, welche Erträge im Laufe einer Saison erwirtschaftet wurden und welche Aufwendungen diesen gegenüberstehen. Erträge beschreiben Größen, die das Reinvermögen (Eigenkapital) erhöhten, Aufwendungen dagegen die vermögensmindernden Faktoren.

Die größten Aufwandsposten in den Erfolgsrechnungen des BVB und des FCB sind der Personalaufwand und die sonstigen betrieblichen Aufwendungen. 2011/12 waren in Dortmund durchschnittlich 461 Mitarbeiter angestellt, in München 488. Dazu zählen bei beiden Vereinen viele normale Mitarbeiter ohne Millionengehalt (z. B. in der Verwaltung und beim Ordnungsdienst). Entscheidend beeinflusst werden die Personalaufwendungen aber durch die Gehälter der Profikicker. Nach Schätzungen bekommen beispielsweise die BVB-Stars Mats Hummels und Mario Götze jeweils rund drei Millionen Euro pro Saison.

Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen entstehen durch den Spielbetrieb, durch Werbung und in der Verwaltung. Verlässt ein Spieler, für den in der Bilanz ein Restbuchwert verzeichnet ist, den Verein, entstehen ebenfalls sonstige betriebliche Aufwendungen – meist aber auch Umsatzerlöse. Beispiel: Dortmund holte für die neue Saison 12/13 Marco Reus von Borussia Mönchengladbach. Ablösesumme: 17 Millionen Euro. Vertragsdauer: 5 Jahre. Mitte 2013 ist Reus in der BVB-Buchhaltung noch 13,6 Mio. € wert (17 – 17:5 Abschreibung). Da bekommt Dortmund von Real Madrid das Angebot (ich fantasiere mal ein bisschen), Reus für 30 Millionen gehen zu lassen und man wird sich handelseinig. 13,6 Mio. € sonstige betriebliche Aufwendungen, denn der immaterielle Vermögenswert Reus ist anschließend weg. Aber es gäbe dann auch 30 Mio. € Umsatzerlöse. Die Ablösesumme übersteigt den Restbuchwert. So würde das Betriebsergebnis um den Differenzbetrag steigen (16,4 Mio. €).

Für Borussia Dortmund war 2011/12 ein Superjahr. Die Erträge stiegen um 43 Prozent auf 223 Millionen Euro. Bei allen Einnahmequellen gab’s deutliche, teilweise sogar enorme Zuwächse. Besonders profitierte Dortmund von fast 26 Millionen Euro hinzugewonnenen TV-Einnahmen aus der Champions League, obwohl man 11/12 nur an der Gruppenphase teilnahm.

Borussia Dortmund (Konzern) – Erträge 2011/12:

• Spielbetrieb (ohne Champions League): 31,4 Mio. € (+13 %)
• Werbung/Sponsoring: 57,8 Mio. € (+16 %)
• TV-Vermarktung (inkl. Champions League): 60,4 Mio. € (+88 %)
• Transfererlöse: 26,1 Mio. € (+101 %)
• Merchandising etc.: 39,5 Mio. € (+38 %)
• Sonstige betriebliche Erträge: 7,6 Mio. € (+77 %)

Konzern-GuV der Borussia Dortmund KGaA (IFRS)
(in Millionen Euro)
2011/12 2010/11
+



Umsatzerlöse und sonstige betriebliche Erträge
Materialaufwand
Personalaufwand
Abschreibungen
Sonstige betriebliche Aufwendungen
222,9
12,5
79,9
18,6
70,5
155,8
7,7
61,5
17,5
54,1
=
+
Betriebsergebnis (EBIT)
Finanzergebnis
41,4
-4,8
14,9
-5,4
=
Ergebnis gewöhnlicher Geschäftstätigkeit
Steuern
36,6
9,1
9,5
4,1
= Jahresüberschuss (Ergebnis nach Steuern)
27,5 5,4

Die GuV zeigt, dass sich beim BVB auch der Aufwand erhöhte, doch unter dem Strich blieb 2011/12 ein Betriebsergebnis von 41,4 Millionen Euro. Die Umsatzrendite (Betriebsergebnis : Umsatzerlöse und sonstige betriebliche Erträge) kletterte auf eindrucksvolle 19 Prozent.

Damit überflügelten die Schwarz-Gelben auch die Münchner Erzrivalen. Die schafften 2010/11 einen Betriebsgewinn von 16,8 Mio. € und 5 Prozent Umsatzrendite. 2011/12er-Zahlen auf Konzernebene sind für den FCB noch keine verfügbar. Anzunehmen ist ein Betriebsergebnis um die 25 Mio. €. Die Umsatzrendite hätte dann bei knapp 7 Prozent gelegen.

Konzern-GuV der FC Bayern München AG
(in Millionen Euro)
2011/12 2010/11
+



Umsatzerlöse und sonstige betriebliche Erträge
Materialaufwand
Personalaufwand
Abschreibungen
Sonstige betriebliche Aufwendungen
373,4
.
.
.
.
328,5
19,5
157,6
46,4
88,2
=
+
Betriebsergebnis (EBIT)
Finanzergebnis
.
.
16,8
-6,6
=
+
Ergebnis gewöhnlicher Geschäftstätigkeit
Außerordentliche Erträge/Aufwendungen
Steuern
.
.
7,1
10,2
-0,9
8,0
= Jahresüberschuss (Ergebnis nach Steuern)
11,1 1,3

Der große FC Bayern erwirtschaftet zwar viel höhere Erträge als die Dortmunder Borussia, hat aber auch viel höhere Aufwendungen. Am deutlichsten sieht man das bei den Personalaufwendungen. Fast 158 Millionen Euro waren es schon 2010/11. Annähernd 100 Millionen mehr als in derselben Saison in Dortmund. Allerdings sind die Kosten für den BVB-Kader schon 2011/12 spürbar gestiegen. Dieser Trend wird anhalten. Wenn Dortmund weiter ganz oben mitspielen will, muss die Geschäftsführung die Gehälter von Hummels & Co. an Münchner Verhältnisse anpassen, will man die Leistungsträger halten.

Die Bayern liefern zwar auf Konzernebene keine Details zu den Einnahmequellen. In der Pressemitteilung zu den Finanzahlen 2011/12 sind aber die direkten Einnahmen der Bayern München AG aufgelistet.

FC Bayern München (Einzelabschluss AG) – Erträge 2011/12

• Spielbetrieb (inkl. Champions League): 129,2 Mio. €
• Werbung/Sponsoring: 82,3 Mio. €
• TV-Vermarktung (ohne CL): 37,6 Mio. €
• Transfererlöse: 5,0 Mio. €
• Merchandising: 57,4 Mio. €
• Sonstige Erträge: 20,7 Mio. €

Die TV-Rechte für die Fußball-Bundesliga werden zentral vom Deutschen Fußballbund (DFB) vermarktet. Die Einnahmen werden auf alle Clubs verteilt. Der Meister bekommt dabei nur etwas mehr als der Zweite. In dieser Hinsicht liegen München und Dortmund also ziemlich gleichauf (jeweils gut 30 Mio. € Einnahmen). Geht es um Fanartikel (Merchandising) und Sponsoring, sind die Bayern aber klar in Führung. Glaubt man den Zahlen auf → statista.de, bekommt der FCB von seinem Trikotsponsor Telekom 25 Mio. € für die laufende Saison. Der BVB erhält von Evonik „nur“ 10 bis 15. Auch bei den Einnahmen aus dem Spielbetrieb hat Borussia Dortmund noch Steigerungspotenzial. Man hat zwar das größere Stadion, aber offensichtlich auch die niedrigeren Ticketpreise.

Zwischenfazit: Die Bayern sind einerseits sehr einnahmestark. Andererseits sind bei ihnen aber auch die Kostenblöcke erheblich größer als beim BVB. Den Dortmundern gelang es zuletzt, bei begrenztem Mitteleinsatz ihre Einnahmen massiv zu steigern. Bei ihnen ist das Verhältnis von Erträgen zu Aufwendungen (Rendite) momentan hervorragend. Dazu noch eine Kennzahl. Die Eigenkapitalrendite zeigt, wie gut sich das eingesetzte Kapital für die Eigentümer verzinst. Nimmt man den Jahresüberschuss als Gewinngröße, lag die Eigenkapitalrendite (nach Steuern) 2011/12 bei Bayern München bei 4,6 Prozent. Bei Borussia Dortmund waren es dagegen sagenhafte 34 Prozent.

Zwischenstand nach der GuV:
Dortmund gleicht aus, 1:1 (74. Minute: Götze)

Die Kapitalflussrechnung: „FC Krösus“

„Dortmund schwimmt im Geld“, hieß es auf → focus.de Ende August, als der Geschäftsbericht 2011/12 veröffentlicht wurde. Stimmt das eigentlich? Schon aus der Bilanz lässt sich einiges in puncto Zahlungsmittel herauslesen. Zusätzlich gibt es im Jahresabschluss die Kapitalflussrechnung, die aufzeigt, welche Zahlungsströme es gab und wie sich die Liquidität verändert hat. Als Messgröße für die kurzfristige Finanzposition wird dabei der sogenannte „Finanzmittelfonds“ herangezogen. Dazu zählen auf der einen Seite die liquiden Mittel, also Kassenbestände und Bankguthaben. Auf der anderen Seite wird berücksichtigt, ob das betrachtete Unternehmen jederzeit fällige Kontokorrentverbindlichkeiten hat, wie es im Finanzsprech heißt. Klardeutsch: Bei einem Unternehmen, das zum Bilanzstichtag einen Dispokredit in Anspruch genommen hat, ist der Finanzmittelfonds kleiner als die liquiden Mittel.

Borussia Dortmund lieferte hierfür bis Mitte 2011 ein praktisches Beispiel. Zum 30.06.11 hatte man zwar 1,1 Millionen Euro flüssige Mittel, aber gleichzeitig rund 2,3 Millionen Verbindlichkeiten aus Dispokrediten. Die kurzfristige Netto-Liquidität war damals also negativ (-1,2 Mio. €). Im Frühsommer 2010 standen 1,1 Mio. € sogar 10 Millionen Dispokredite gegenüber. Aber während der letzten beiden Geschäftsjahre erwirtschaftete der BVB jeweils einen Zahlungsüberschuss. Der Cash-Flow war positiv, +6,5 Mio. € in der Saison 11/12, +7,7 Mio. € in 10/11. Das Thema Dispokredit ist damit (erst einmal) passé.

Konzern-Kapitalflussrechnung der Borussia Dortmund KGaA (IFRS)
(in Millionen Euro)
2011/12 2010/11
Finanzmittelfonds zu Periodenbeginn
-1,2 -8,9
+
+
+
Cash-Flow aus laufender Tätigkeit
Cash-Flow aus Investitionstätigkeit
Cash-Flow aus Finanzierungstätigkeit
28,0
-8,7
-12,9
21,7
-8,0
-5,9
= Finanzmittelfonds zu Periodenende
5,3 -1,2

Die Kapitalflussrechnung zeigt in drei Stufen, welcher Zahlungsüberschuss (1) mit laufenden, (2) Investitions- und Finanzierungstätigkeiten erzielt wurden. Zu den laufenden Aktivitäten, mit denen der BVB zuletzt 28 Mio. € „Cash“ einnehmen konnte, zählen z. B. der normale Spielbetrieb und die Geschäfte mit TV-Rechten und Merchandising. Auszahlungen entstehen durch Spieler- und Mitarbeitergehälter, für Materiallieferungen und externe Dienstleistungen. Nicht zum Cash-Flow aus laufender, sondern demjenigen aus Investitionstätigkeit werden die Ein- und Auszahlungen bei Spielertransfers gerechnet. Dabei hielten die Dortmunder Maß. Aus- und Einzahlungen hielten sich ungefähr die Waage. Die -8,7 Mio. € kamen hauptsächlich durch Investitionen in Sachanlagen, d. h. das Stadion, zustande. Als (negativ zahlungswirksame) Finanzierungstätigkeit schlägt vor allem zu Buche, dass rund 12 Millionen Euro Finanzschulden getilgt wurden. Nach der vorletzten Spielzeit stellte sich angesichts der hohen Kontokorrentschulden (siehe oben) die Frage nach einer Dividende für die BVB-Aktionäre nicht wirklich. Durch den anhaltenden finanziellen Erfolg gibt es aber für 2011/12 endlich eine Gewinnausschüttung. Es ist die allererste, seit bei der Borussia im Jahr 2000 das Börsenfieber ausbrach. Für jede der 61,425 Millionen Aktien gibt’s 6 Cent Dividende. So werden 3,7 Mio. € ausgeschüttet.

Und damit Szenenwechsel nach Bayern und zu der Frage, wer von den beiden Clubs wirklich im Geld schwimmt (Borussia Dortmund tut’s nämlich noch nicht).

Konzern-Kapitalflussrechnung der Bayern München AG
(in Millionen Euro)
2011/12 2010/11
Finanzmittelfonds zu Periodenbeginn
143,7 74,4
+
+
+
Cash-Flow aus laufender Tätigkeit
Cash-Flow aus Investitionstätigkeit
Cash-Flow aus Finanzierungstätigkeit
.
.
.
57,7
-9,5
21,2
= Finanzmittelfonds zu Periodenende
. 143,7

Der FC Bayern hat gerade angekündigt, für das zurückliegende Geschäftsjahr 5,5 Millionen Euro an die drei Aktionäre FCB e.V., Adidas und Audi auszuschütten. Das Geld dafür hat der langgediente Finanzvorstand Karl Hopfner gewissermaßen in der Portokasse, wie Bilanz und Kapitalflussrechnung zeigen. Von überzogenen Girokonten, wie es sie vor 1½ Jahren noch beim BVB gab, hat man bei den Bayern noch nie etwas gehört. Mitte 2010 waren 75 Millionen Euro im Geldtopf. Ein Jahr später 144 Millionen. Die 40 Mio. € für Martínez haben den Finanzmittelbestand zuletzt zwar belastet. Mit derzeit (vermuteten) 70 bis 80 Millionen Euro ließe sich der Swimming Pool im Geldspeicher aber dennoch sehr anständig füllen.

Auffallend an der FCB-Kapitalflussrechnung ist der positive Cash-Flow aus Finanzierungstätigkeit. 2010/11 wurden fast 40 Mio. € Schulden getilgt (Stichwort: Turbotilgung Allianz Arena). Es kamen aber 63 Mio. € neu auf’s Konto, die vom neuen FCB-Aktionär Audi stammen, der für seine 9,09 %-Beteiligung insgesamt sogar 90 Mio. € zahlte (27 Mio. € flossen schon 2009/10). Einfache Überlegung am Rande: Wenn 9 Prozent 90 Mio. € wert sind, dann hat der FC Bayern-Konzern insgesamt einen aktuellen Marktwert von einer Milliarde Euro. Zum Vergleich: Der Kurs der börsennotierten BVB-Aktie (WWW-Link) bewegt sich auf die 3-Euro-Grenze zu. Multipliziert mit 61.425.000 (Aktien). Das heißt, der Konkurrent aus dem Ruhrgebiet kommt auf einen Marktwert von 180 Millionen Euro.

Endstand nach Analyse der Kapitalflussrechnung:
Eigentlich 2:1 für die Bayern.

Aber bei Borussia Dortmund steht Roman Weidenfeller im Tor.
So bleibt’s beim 1:1-Unentschieden
(wie am vergangenen Samstag).