Getrieben von zwei automobilbegeisterten Söhnen war ich in den vergangenen Monaten sowohl im Mercedes-Museum in Stuttgart-Untertürkheim als auch im BMW-Museum in München. Mein klarer Favorit: das Mercedes-Museum in der Nähe des Daimler-Stadions (zur Museumshomepage). Nicht nur Studenten der Fahrzeugtechnik ist die 2006 eröffnete „Doppelhelix“ als Ausflugsziel sehr zu empfehlen – und nicht nur Barack Obama, der in einer Rede Anfang 2009 meinte, das Automobil sei in den USA erfunden worden.

Nach einer Fahrt mit einem der drei Aufzüge im Atrium führt der Weg spiralförmig nach unten und dabei von 1886 bis in die Gegenwart. Entlang des Hauptweges findet man zentrale Ausstellungsräume und kommt an großformatigen Fototafeln vorbei, die über wichtige Ereignisse der Weltgeschichte seit Ende des 19. Jahrhunderts informieren. Jeder Besucher bekommt ein Audioguide-Gerät, das je nach Bedarf allgemeine, aber auch detaillierte Informationen liefert. Die Architektur der „Garage für 150 Millionen Euro“ (Spiegel) unterstützt dabei die Wissensvermittlung ausgezeichnet. Man kann vom Hauptpfad in Nebenräume mit viel Tageslicht abzweigen, in denen es z. B. um Etappen der Nutzfahrzeugentwicklung geht. Hauptattraktion sind natürlich die Fahrzeuge aus annähernd 125 Jahren Automobilentwicklung. Im ersten Ausstellungsraum stehen der Motorwagen von Carl Benz und die Motorkutsche von Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach. Mit diesen beiden Fahrzeugen begann 1886 die Geschichte des Automobils. Auto Motor und Sport hat hier eine Liste aller ausgestellten Fahrzeuge veröffentlicht. Natürlich sind darunter auch ein 300 SL Flügeltürer aus den 50er Jahren und mehrere „Silberpfeile“ aus den 30er und 50er Jahren. Fazit: Absolut sehenswert. 2 1/2 bis 3 Stunden Zeit einplanen. Das sagen auch die Stimmen auf qype.com.

Für Automobilfans ist auch das BMW-Museum einen Ausflug wert. Für höhere Eintrittspreise (wenn man auch den Sonderausstellungsbereich anschauen will) gibt es aber weniger zu sehen. Bei BMW sieht man sich vor allem als Markenmuseum und will die Faszination der Marke BMW veranschaulichen. Deshalb orientiert sich der Hauptpfad durch die Ausstellung auch nicht an der Chronologie, sondern es gibt sieben so genannte Ausstellungshäuser, z. B. das Haus der Gestaltung und das Haus der Marke. Ein etwas abgehobenes Konzept. Sehr gefallen haben mir aber die vielfach ausgezeichnete „Kinetische Skulptur“ im ersten Ausstellungsraum (hier geht’s zum Youtube-Video dieser Installation, und es gibt hier auch einen Screensaver davon) und der Raum mit der Isetta und dem BMW 2002. Anhand von zahlreichen kleinen Fotogeschichten an den Wänden sieht man, wie diese beiden Modelle Ende der 50er und Anfang der 70er Jahre das Leben ihrer Käufer bereicherten.