In Japan hat vor wenigen Tagen erstmals ein Roboter eine Hochzeitszeremonie geleitet. Der 1,50 Meter große, auf einem Podest sitzende „I-Fairy“ gab in einem Restaurant in Tokio dem Brautpaar Anweisungen wie: „Bitte heben Sie jetzt den Schleier der Braut hoch“ (linkes Bild). Und in Kürze will Masako Takahashi aus Sapporo ihren langjährigen Lebensgefährten C-3PO heiraten (rechtes Bild).

OK, Kleiner Scherz – das mit C-3PO. Aber nicht die Meldung mit dem Hochzeitsroboter.

Nicht nur im roboterverrückten Japan gibt es einen Trend zur Automatisierung. Bahnfahrkarten und Goldbarren („Geldanlage to go„) kauft man heute am Automaten, in einigen Supermärkten und Ikea-Filialen kann man an Selbstbedienungskassen zahlen (siehe hier) und unter der fränkischen Metropole Nürnberg fährt eine fahrerlose U-Bahn (siehe hier). In der Regel haben diese Entwicklungen mit angestrebten Einsparungen von Personalkosten, einer (hoffentlich) größeren Präzision oder mit erweiterten Einsatzmöglichkeiten zu tun (längere Öffnungszeiten, Einsatz unter widrigen Arbeits- und Umweltbedingungen), die automatisierte Lösungen bieten können. Überzeugend ist „I-Fairy“ in diesem Sinne noch nicht. Gesteuert wurde der Roboter von einem Mann, mit dessen Computer der künstliche Zeremonienmeister verdrahtet war (siehe Pfeil im linken Bild). Der Bräutigam übte deshalb sogar ein wenig Kritik: „Es wäre nett gewesen, wenn der Roboter ein bisschen klüger wäre“. Die Braut war aber nachsichtig: „Roboter sind unsere Freunde“. Außerdem kostet so ein Plastikpfarrer laut Hersteller nur rund 50 000 Euro.

Man kann diese Meldung auch unter der Perspektive des Lead Markt-Konzepts interpretieren. Marian Beise definiert Lead Märkte als regionale Märkte – in der Regel Länder –, die aufgrund regionenspezifischer Kundeneigenschaften und -wünsche eine neue Technologie früher als andere Regionen (Länder) nutzen (Beise: Die Lead-Markt-Strategie, 2006, ist auch in der Bibliothek der Hochschule Ulm vorhanden, Signatur 658.8 Bei). Ein Beispiel liefert die Verbreitung der Fax-Technologie, die in Japan deutlich früher einsetzte als in Europa und Nordamerika. Der funktionale Vorteil, handschriftliche Dokumente schnell versenden zu können, war in einem Land mit mehreren Tausend Schriftzeichen besonders groß. Bei Robotertrauungen sind die Japaner wieder in einer Pionierrolle. Manchmal bleiben Innovationen aber ganz auf den Lead Markt beschränkt, und andere Länder ziehen überhaupt nicht nach. Mal schauen, wie sich das in diesem Fall entwickelt. klick!