Herzlichen Glückwunsch: Der FC Bayern München ist Deutscher Fußballmeister 2009/10. Allerdings war das der Verein auch schon 21 Mal vorher. Keine wirklich herausragende Nachricht also. Doch machen Trainer Louis van Gaal und Mannschaftskapitän Mark van Bommel mit zwei weiteren Auszeichnungen ein eindrucksvolles Triple perfekt (schon vor den Endspielen in Champions League und Dt. Pokal):

Louis van Gaal (linkes Bild) erreichte bei der Wahl zum „Sprachwahrer des Jahres“ 2009 den dritten Platz. Wohlgemerkt, es ging um die Wahrung der deutschen, nicht der niederländischen Sprache. Er ließ in der Publikumsgunst sogar „Tokio Hotel“ hinter sich, obwohl die vermutlich noch fanatischere Fans haben als der FC Bayern. Van Gaal betätigte sich als Wortschöpfer und erfand das Verb „fußballen“ („Wir haben diszipliniert gefußballt“). Auf die Frage eines deutschen Journalisten, ob er ein Interview auf englisch oder spanisch führen wolle (tolle Frage!) antwortete der holländische Erfolgstrainer: „In welchem Land befinden wir uns gerade, was denken Sie?“ – Das Gespräch fand auf deutsch statt (hier geht’s zur Seite „Sprachwahrer“ der „Deutschen Sprachwelt“ mit mehr Informationen). Ich bin übrigens kein Sprachtaliban. An van Gaal gefällt mir, dass er sich am Ort seiner Berufstätigkeit auf die dortige Kultur einlässt. Mit Begriffen wie Prallkissen, Denkrunde und Klapprechner etablierte Anglizismen zu bekämpfen (lesen Sie hier welche), ist für mich Quatsch von vorgestern.

Mark van Bommel (in der Mitte) hat den Sprachenpreis 2010 der Vrijen Universiteit Amsterdam für seine klare Sprache gewonnen. Anhand von jeweils mindestens drei Fernsehinterviews wurden die Sprechgewohnheiten von 26 niederländischen Nationalspielern untersucht. Die Sprachwissenschaftler meinten, van Bommels Argumentationen seien am besten gewesen. Er spreche bewusst mit dem Publikum. Van Bommel benutze kaum typische Fußball-Floskeln und könne Spiele verständlich analysieren. Bei der Beurteilung waren Sprechtempo, Betonung, Verständlichkeit und Argumentation wichtig. Die Forscher begutachteten auch ein unterhaltsames Interview mit van Bommel aus dem „Aktuellen Sportstudio“ (hier auf Youtube).

Der Sprachtrainer Markus Reiter hält eine klare und verständliche Ausdrucksweise für einen maßgeblichen Karrierefaktor. Einige seiner Beispiele sind 2007 im sehr lesenswerten Artikel „Jetzt mal Klartext“ im Manager Magazin erschienen (hier online als pdf-Datei verfügbar). Reiters Buch „Klardeutsch“ gibt’s übrigens auch in der Bibliothek der Hochschule Ulm (Signatur 159.946.3 Rei). Ich finde aber, der MM-Artikel reicht, um die Kernaussage zu verstehen, dass Phrasendeutsch (auch in Abschlussarbeiten) Zuhörer bzw. Leser nervt und den Schwaflern in puncto Karriere wenig nutzt.

PS. Ganz eindeutig ist der Zusammenhang zwischen klarer Sprache und sportlichem Erfolg von Fußballtrainern nicht. Felix Magath (rechtes Bild): „Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.“