Vielleicht haben Sie im Fernsehen schon einmal den netten Herrn mit Oberlippenbart und Fliege gesehen, der vom Foto in der Mitte lächelt. Es ist Professor Wolfgang Gerke, Experte für Bank- und Börsenwesen. Von 1992 bis 2006 war er Professor an meiner Alma Mater, der Uni Erlangen-Nürnberg. Jetzt freue ich mich immer, wenn er als einer der drei großen „30-Sekunden-Problemlöser“ des deutschen Fernsehens die Welt der Finanzwirtschaft erklärt (hier erfahren Sie, wer die beiden anderen sind). Zur Zeit aber würde ich wohl besser schlafen, wenn ich seine punktgenauen Aussagen zur griechischen Schuldenkrise und ihren Begleiterscheinungen nicht hören oder lesen würde.

Gerade hat Professor Gerke der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ ein Interview gegeben (hier online) und darin auch erläutert, warum viele große Geldhäuser an der aktuellen Krise doppelt profitieren. Zum einen machen die Staaten momentan Schulden in astronomischer Höhe – unter anderem um Banken wie die Commerzbank, die Hypo Real Estate etc. zu retten. Dieses Schuldenmachen läuft über so genannte Staatsanleihen. Um genügend Käufer für diese Anleihen zu finden, engagieren Staaten auch Investmentbanken, die an den Provisionen für ihre Vermittlungsdienste prächtig verdienen.

Zum anderen nutzen Banken die supergünstigen Kredite, die sie bei den Zentralbanken wie der EZB oder der FED aufnehmen können. Die aufgenommenen Geldmittel legen sie dann z. B. in Griechenland-Anleihen an, für die das hochverschuldete Land einen sehr hohen Zins bieten muss. „Es ist schließlich einfach, Geld für ein Prozent zu bekommen und es in Griechenland-Anleihen für acht Prozent anzulegen und zu sagen, der Steuerzahler wird es eh wieder richten„, so Gerke. Mit dem diskutierten Milliarden-Hilfspaket (Deutschland soll bis 2012 rund 22 Milliarden Euro beisteuern) wäre erst einmal sichergestellt, dass Griechenland die hohen Zinszahlungen auch leisten kann.

Höchst bedenklich, dass Banken durch solche kurzfristigen Geschäfte schon wieder milliardenhohe Gewinne einfahren. Und noch einmal Professor Gerke: „… und dass dieses schnell verdiente Geld gleich wieder in Form von Dividenden und Bonuszahlungen ausgeschüttet wird. Daran erkennt man, dass die Banken aus der Krise nicht viel gelernt haben.“

Damit Ihnen bei Meldungen wie „Banken beteiligen sich an Griechenland-Hilfe“ nicht zu schnell Tränen der Rührung in die Augen steigen, sollten Sie auch den hervorragenden Kommentar Nicht mal ein Feigenblatt“ der FAZ-Redakteurin Heike Göbel lesen.