Seit einigen Wochen macht zwischen den Mitarbeitern deutscher Autohersteller und -zulieferer eine EMail die Runde. Außer bei BMW in München wird darüber meist herzlich gelacht. Im Sommer 2009 hatte sich eine langjährige BMW-Mitarbeiterin mit einem dringenden Hilferuf an Dr. Draeger gewandt, den BMW-Entwicklungsvorstand:

„Sehr geehrter Herr Dr. Draeger, seit Jahren beobachte ich mit wachsendem Unmut den zunehmenden Trend vieler Mitarbeiter, in ungepflegter Freizeit- oder gar Strandbekleidung zur Arbeit im FIZ (Forschungs- und Innovationszentrum) zu erscheinen – und das nicht nur am Freitag. … Herren in abgeschnittenen Hosen und Flipflops sind für mich Ausdruck der Missachtung des Arbeitgebers, deren Repräsentanten sie sind. … Den Gästen – wir führen im Jahr ca. 5000 Besucher durch das FIZ – fällt der legere Auftritt unserer Mitarbeiter nämlich sehr wohl unangenehm auf, und sie quittieren ihn mit der Bemerkung, dass es bei uns aber locker zuginge, was man bei dem Image, das wir uns geben, nicht erwarte. … Der Grund, warum ich mich heute an Sie wende, ist mein gestriges Erlebnis, welches das Fass zum Überlaufen brachte: Ein Mann mittleren Alters ging während der Betriebsversammlung mit stolzgeschwellter Brust die Magistrale entlang, gewandet in ein T-Shirt mit der Aufschrift – ich zitiere wörtlich: ‚Daaden Sie eventuell mit mir vö . . .‘.“

Die vollständige EMail kann man z. B. hier nachlesen. Und in „Beruf und Chance“ in der FAZ hat sich Holger Appel mit dem Thema beschäftigt (Link zum Artikel) – sehr kurzweilig!

Ich kann die Mitarbeiterin gut verstehen und bin mit ihr zu 90 Prozent einer Meinung. T-Shirts mit zweideutigen Aufdrucken am Arbeitsplatz sind ein echtes „No-Go“ (auch wenn das aufgedruckte Zitat aus einem tollen Film wie „Wer früher stirbt, ist länger tot“ stammt). Selbst bei gelegentlichen Außenkontakten ist heutzutage Outfit 5 (siehe oben) nicht mehr zwingend. Als Praktikant oder Berufsstarter ist man mit den klassischen Outfits 3 und 4 (Hemd + dunkle Hose) auch bei Arbeitgebern mit ausgeprägtem Stil- und Imagebewusstsein auf der richtigen Seite (auch wenn Wolfgang Joop das Hemd 3 sicher ein bisschen zu groß fände). In vielen (nicht allen) Situationen des Berufsalltags sind in meinen Augen ein sauberes Polohemd und eine lange (!) Jeans (nicht acid-washed oder im Destroyed-Look!), Outfit 1, ebenfalls in Ordnung und bringen weder Sie noch Ihr Unternehmen in die Bredouille. Outfit 2 ist nicht nur für BMW zu lässig (nicht: zulässig). So angezogen gehe ich zum Pfuhler Weiher, aber nicht in meine Vorlesungen.

Apropos Vorlesung: Vor ein paar Jahren war ich drauf und dran, mir ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Das Leben ist kein Ponyhof“ zu bestellen, um es dann als Warnhinweis in der ersten Vorlesung zu tragen. Zum Glück hat mir ein stilsichereres Familienmitglied abgeraten. Man muss nicht immer den Clown spielen.