Robert Bosch 1925 • Dreiradantrieb mit Niederspannungs-Magnetzündung 1897 •
Werbeplakat mit Zündkerze 1928 • Pkw-Dieseleinspritzpumpe im Versuch 1927
(Fotos: Bosch 4x, zum Vergrößern anklicken)

Vor genau 150 Jahren wurde Robert Bosch (1861-1942) in Albeck bei Ulm geboren. Das von ihm 1886 gegründete Unternehmen ist heute der weltgrößte Zulieferer in der Automobilindustrie. Hans-Erhard Lessing, Autor einer lesenswerten Bosch-Biografie im Taschenbuchformat, sieht ihn als Erfinder der Autozulieferindustrie (in einem Beitrag in den VDI Nachrichten, → hier nachzulesen). Eine Seite auf swr.de nennt Bosch anerkennend „Schrittmacher der automobilen Welt“. Zusammen mit seinem Mitarbeiter Gottlob Honold gelang dem schwäbischen Unternehmer die Lösung des „Problems der Probleme“ (Carl Benz) der jungen Automobilindustrie. Mit der 1902 entwickelten Hochspannungs-Magnetzündung bekamen Automotoren erstmals eine verläßliche Komponente, um das Benzin in den Zylindern zu entflammen. Zuvor hatten sich französische Automobilisten noch „Gute Zündung!“ (Bon Allumage!“) gewünscht.

Auf focus.de erschien heute ein Artikel, in dem – auch für Leute ohne Ingenieurstudium gut verständlich – die technische Seite von Boschs zündender Innovation erläutert wird.

Mit Magnetzündungen hatte Robert Bosch schon vor dem Einstieg in die Autoindustrie Erfolg. Ein Jahr nach der Gründung seiner „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ in Stuttgart baute Bosch seinen ersten „Magneto“, einen Niederspannungsapparat für einen stationären Motor der Firma Deutz. Randnotiz der Technikgeschichte: Schon 1887 führte Bosch  seine Magnetzündung auch dem Autopionier Gottlieb Daimler aus dem benachbarten Bad Cannstatt vor. Daimlers eigene Motorkutsche war da noch brandneu (siehe den Blog-Eintrag „Von der Pferdekutsche zum Automobil“). Das frühe Aufeinandertreffen von Bosch von Daimler wurde aber keine automobilhistorische Wendemarke, weil Autobauer Daimler zunächst weiter auf die Glührohrzündung setzte. Dafür hatte er ein eigenes Patent (vgl. Lessing: Robert Bosch, S. 66/68).

Mitte der 1890er Jahre produzierte Bosch fleißig Magnetos für stationäre Motoren. In dieser Zeit kamen in Frankreich dreirädrige „Voiturettes“ in Mode. Ein solches Fahrrad mit kompaktem Benzinmotor stattete Bosch 1897 erstmals mit einer Zündung aus. Boschs Mitarbeiter Arnold Zähringer hatte zuvor die Idee für einen verbesserten Magneto mit einer Drehhülse. In der Bildleiste oben zeigt der linke rote Pfeil auf den Magnetzünder an einem De-Dion-Bouton-Dreirad von 1897.

Obwohl auch für den weiterentwickelten Bosch-Apparat noch ein fehleranfälliges Abreißgestänge gebraucht wurde, zeichnete sich um 1900 ab, dass Magnetzündungen sich gegenüber anderen technologischen Alternativen wie der Glührohrzündung durchsetzen würden (vgl. Lessing: Robert Bosch, S. 85). 1899 machten Wilhelm Maybach und sein kaufmännischer Kollege aus dem Vorstand der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) Robert Bosch das Angebot, seine Werkststatt zu übernehmen. Doch Bosch wollte nicht – angesichts einer immer besseren Auftragslage für seine Magnetos durchaus verständlich. Die Herren von Daimler aber waren wohl „not amused“ und so verband die DMG und den „widerspenstigen Magneto-Mann“ (L.-E. Lessing) zunächst wenig. Ironischerweise sind der Bosch- und der Daimler-Konzern heute eng(st)e Partner. Bosch gilt als der Hoflieferant von Mercedes, und vor wenigen Wochen gaben beide die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens EM Motive bekannt, das Elektromotoren für die Elektroautos der Zukunft entwickeln soll.

Zurück ins Jahr 1902. Gottlob Honold (1876-1923), damals gewissermaßen FuE-Leiter von Bosch, beglückte seinen Chef mit einem Magneto-System, bei dem mittels höherer Spannung eine „Lichtbogenzündung“ (feste Funkenstrecke) in einer Zündkerze erzeugt wird (High-Voltage-, kurz HV-Magneto). Auch heute noch entflammen Zündkerzen in Benzinmotoren den Kraftstoff. 2002 feierte Bosch 100 Jahre Zündkerze (hier geht’s zur Jubiläumsseite auf bosch.de mit Links zu zahlreichen Bilddateien). 2007 wurde die 10-milliardste (!) Zündkerze produziert. 1914 – bei Bosch arbeiteten annähernd 5000 Mitarbeiter – hatte übrigens Lucian Bernhard, einer der bedeutendsten deutschen Plakatkünstler, die Idee für das bekannte Zündkerzen-Motiv.

1905 soll Robert Bosch zu seiner Tochter Margarete gesagt haben: „Ich habe eine Eintagsfliege. Eines Tages kommt eine Erfindung, die den Zündapparat überflüssig macht.“ Zwar waren die HV-Magnetos keine Einstagsfliege, doch etwa ab 1920 waren ihre Tage im Automobil gezählt. Autos wurden nun mit einem Elektrostarter und elektrischen Scheinwerfern ausgerüstet. Ein Generator als „Lichtmaschine“ und eine Batterie kamen deshalb ebenfalls an Bord. Boschs Kfz-Magnetos wurden überflüssig. Bosch erweiterte 1913 seine Produktpalette um das „Bosch-Licht“, ein komplettes elektrisches Kfz-Beleuchtungssystem, bestehend aus Lichtmaschine, Scheinwerfern und Batterie. Seit 1914 gehören Anlasser zum Produktsortiment. 1921 kam das „Bosch-Horn“ hinzu.

Robert Bosch als Schrittmacher der Automobilentwicklung. Diese Geschichte wäre nicht abgeschlossen ohne Hinweis auf die Entwicklung des Kfz-Dieselmotors. Anfang der 1920er Jahre war bei Automobilen Verbrennungsmotor gleichbedeutend mit Benzinmotor. Zahlreiche Experten sahen aber im selbstzündenden – also zündkerzenlosen – Dieselmotor den Kfz-Antrieb der Zukunft. Etwa 1922 begann man deshalb bei Bosch, an der Entwicklung von Einspritzpumpen für Dieselmotoren zu arbeiten. Ein hervorragendes Beispiel für jedes Lehrbuch zum Innovationsmanagement, wie etablierte Komponentenhersteller auf Systemtechnologien mit hohem Neuheitsgrad reagieren sollten, die sich am Horizont abzeichnen. Agieren statt Reagieren, auch wenn (bzw. weil) die neue Technologie das bisher erfolgreiche Produkt überflüssig machen könnte.

Trotz zahlreicher Rückschläge brachte Bosch 1927 sein erstes Dieseleinspritzsystem für Nutzfahrzeuge auf den Markt. Der weltweit erste serienmäßige Diesel-Pkw, ein Mercedes-Benz 260 D, feierte 1936 mit einer Reihenpumpe von Bosch Premiere. Heute – zahllose Innovationen später, von der Verteilerpumpe über die Pumpe-Düse bis zum Common Rail-System – ist der Geschäftsbereich Diesel Systems mit ca. 60.000 Mitarbeitern der größte im Bosch-Konzern und Weltmarktführer.

Nicht nur mit Blick auf die technischen Fortschritte im Automobil war Robert Bosch ein außergewöhnlicher Mensch und Unternehmer. „Der rote Bosch“ führte bereits 1906 als einer der ersten in Deutschland den Acht-Stunden-Tag in seinen Werken ein und zahlte gut. „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle“, war einer seiner Standpunkte. In dieser Hinsicht war Bosch Henry Ford ähnlich, der für seine Arbeiter 1914 den Five-Dollar-Day einführte (siehe Blog-Eintrag „Henry Ford und die erste Revolution in der Automobilindustrie“).

Großzügig finanzierte Robert Bosch schon zu Lebzeiten zahlreiche gemeinnützige Projekte. Für die Zeit nach seinem Tod hinterließ er ein besonderes Vermächtnis. Seinen Vorstellungen entsprechend wurde 1964 die gemeinnützige Robert Bosch Stiftung gegründet (→ Link zur Robert Bosch Stiftung). Diese Stiftung hält heute 93 Prozent des Stammkapitals der Robert Bosch GmbH, der Muttergesellschaft des Bosch-Konzerns. Nur 7 Prozent des Kapitals liegt bei den Nachfahren. Ausgeschüttete Gewinne der Bosch GmbH fließen somit größtenteils der Stiftung zu und werden für sechs sogenannte Themengebiete eingesetzt (z . B. Völkerverständigung, Gesundheit, Bildung). Nach VW und Siemens war Bosch 2010 der drittgrößte Arbeitgeber mit Sitz in Deutschland (283 000 Mitarbeiter weltweit).

Jeweils einen guten Überblick über Leben Robert Boschs erhält man hier:

Wer sich näher für Robert Bosch interessiert, findet in diesen beiden Büchern zusätzlichen Lesestoff:

  • Lessing, H.-E.: Robert Bosch, Reinbek bei Hamburg 2007
    Das rororo-Taschenbuch für 8,50 Euro (Stand: September 2011) bietet ein hervorragendes Preis-Informations-Verhältnis und ist meine besondere Empfehlung. Professor Hans-Erhard Lessing ist Physiker und Experte für Technikgeschichte. So erfährt man in seinem Büchlein nicht nur viel Wissenswertes über Robert Bosch, seine Familie und das Unternehmen, sondern auch über die technische Entwicklung bei Zündung, Dieselpumpe etc.
    In Kürze ist das Buch auch in Bibliothek der Hochschule Ulm verfügbar.
  • Heuss, Th.: Robert Bosch. Leben und Leistung, 12. Auflage, Stuttgart-Leipzig 2008
    1946 erschien dieses Standardwerk über Bosch zum ersten Mal. Theodor Heuss, der 1949 erster Bundespräsident wurde, hatte auf Vorschlag von Robert Bosch ab 1942 daran gearbeitet. „Das Buch war im Schwäbischen lange das Konfirmationsgeschenk schlechthin, damit der Konfirmand tunlichst so erfolgreich wie Bosch werde“, schreibt H.-E. Lessing im Prolog zu seiner Bosch-Biografie.
    Das Buch ist deshalb nicht nur als frisches Exemplar zu bekommen, sondern auch in großer Zahl gebraucht. Außerdem in der Bibliothek der Hochschule Ulm verfügbar (Signatur 92 Bosch).

Mein Geheimtipp für wissbegierige Schwaben: Bosch versendet kostenfrei das „Magazin zur Bosch Geschichte“. Nicht nur als pdf-Download, sondern als gedruckte Hardcopy mit der Gelben Post. Das Sonderheft „Robert Bosch. Leben und Werk“ wurde gerade überarbeitet. Das 72-seitige Heft im DIN A4-Format ist rundum gelungen.