Der Faktor Zeit ist im Wettbewerb der Formel 1-Rennställe ebenso entscheidend ist wie in vielen Industriebranchen. Nachzügler geraten in diesem Zeitwettbewerb bei einer verspäteten Markt­einführung neuer Produkte in eine Zeitfalle. Da die Vorbereitungszeit für komplexe Innovationen selbst mit erhöhtem Ressourceneinsatz nur bedingt abgekürzt werden kann, können sich Folgerunternehmen nicht kurzfristig aus einer Zeitfallensituation befreien. Pfeiffer spricht treffend von „Zeitkonstanten der Vorbereitung“.

Vor einem Jahr ließen sich diese Zusammenhänge sehr gut in der Formel 1 beobachten, als Brawn GP mit dem innovativen Doppeldiffusor die meisten Konkurrenten in arge Bedrängnis brachte. Hervorragend beschrieben wurde dies damals im FAZ-Artikel „Das Rennen der Kopierer“. „Wir kön­nen einen Schnellschuss nachbauen“, beschrieb ein Renault-Ingenieur das Problem, „aber es ist dann eben nur ein Kompromiss und nie so gut wie das Original.“

Nach dem letzten Grand Prix in Schanghai sieht es aus, als könnte sich McLaren mit dem „Schnorchel“ erfolgreich von den anderen Teams absetzen. Der Fahrer kann einen Lüftungsschlitz mit einer Kniebewegung öffnen und schließen. Die Strömung am Heckflügel wird dann durch gezieltes Einleiten von Luft gestört, so dass sich auf Geraden der Abtrieb und der Luftwiderstand reduzieren. Ein Kanal, der durch das Cockpit führt, speist das obere Heckflügelelement bei Bedarf mit Luft, die dort durch einen feinen Schlitz austritt und die Strömung abreißen lässt. Oder so ähnlich (ich bin – leider? – kein Ingenieur).

Wieder hat Hermann Renner einen sehr lesenswerten Bericht für die FAZ geschrieben (hier online verfügbar). McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh meint zwar, es handele sich bei seinem Konzept „ausnahmsweise mal um ein relativ simples Prinzip. Die Teile, die es dazu braucht, sind billig in der Herstellung.“ Die Platzhirsche Ferrari und Mercedes merken aber gerade, dass es dennoch sehr schwierig ist, theoretisches Wissen in konkurrenzfähige Technik umzusetzen. „Ich fürchte, wir brauchen noch viele Versuchsreihen, bis unser System funktioniert“, stöhnte Rennleiter Stefano Domenicali. McLaren hat einen Wissensvorsprung von 7000 Testkilometern.