Zebradecken versendet HorSeven aus Wartenberg-Angersbach bei Fulda. Echte Zebras gibt’s z. B. in Namibia (Fotos: Bucas, dkfindout.com).

Stoßen sie nebenbei auf was Tolles, sprechen BWLer von einem Windfall-Profit. Beim Vorbereiten eines Abi-Treffens denkt man zunächst nicht an Synergieeffekte für einen Blog mit BWL-Inhalten. Einen ungeplanten Erkenntnisgewinn haben mir Simone Keller-Döppner und ihr Mann Christof Keller verschafft. Mit ihm habe ich 1988 an der Winfriedschule in Fulda mein Abi gemacht.

Bei der Frage, was aus den Mitschüler(innen) geworden ist, hilft den Organisatoren von Ehemaligentreffen heute Google. Christof hat als “starker Mann hinter (s)einer starken Frau” die Erfolgsstory der HorSeven GmbH begleitet. Das Unternehmen hat inzwischen fast 20 Beschäftigte und ist im deutschsprachigen Raum Marktführer für den Verkauf von Pferdedecken.

Alles begann 1997, als Simone Keller-Döppner, Pferdefan und Betriebswirtin, die Idee hatte, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Zuerst ganz klein im Keller ihres Hauses. Vor eineinhalb Jahren war im osthessischen Angersbach das neue Gebäude fertig, in dem die HorSeven GmbH jetzt ihren Sitz hat. Im Neubau ist Platz für ein riesiges Lager, in dem über 20 000 Pferdedecken darauf warten, dass sie von Pferdefreunden bestellt werden. Dort bietet auch der “Horse Shop” ein breites Sortiment rund ums Pferd. Investitionssumme: rund 1,2 Millionen Euro. Die Lokalzeitung Lauterbacher Anzeiger berichtete.

Der Pferdedecken-Versandhandel der Kellers ist ein Beispiel für eine Nischenstrategie und ein dazu passendes Long Tail-Geschäftsmodell (engl. tail = Schwanz). Nischenprodukte sprechen nur eine kleine Käufergruppe an. Für einen Handelsbetrieb mit begrenzter Verkaufs- und Lagerfläche ist es nicht rentabel, solche selten nachgefragten Produkte ständig bereitzuhalten. Die Kapitalbindung wäre zu hoch.

Online-Händler wie Amazon können ein sehr großes Sortiment spezieller Produkte wirtschaftlich anbieten. Nischen- oder C-Produkte bilden bei einer Darstellung, in der alle angebotenen Produkte nach ihrer Absatzmenge geordnet sind, einen “langen Schwanz” (Abbildung unten). Auch Momox ist ein Beispiel für ein funktionierendes Long Tail-Geschäftsmodell. Das “ReCommerce”-Unternehmen hat seit der Gründung im Jahr 2004 über 100 Millionen Artikel weiterverkauft. Momox kauft gebrauchte Produkte an, z. B. Bücher, und vertreibt diese über die eigene Seite medimops.de, über Amazon und Ebay weiter.

Der Begriff Long Tail wurde vor allem durch einen Text populär, den der US-Journalist Chris Anderson im Jahr 2004 veröffentlichte.

Unternehmen mit einem Long Tail-Geschäftsmodell bieten viele selten nachgefragte Artikel an (zum Öffnen der pdf-Datei anklicken).

Zurück zu HorSeven. Zu den Wettbewerbsvorteilen der Firma zählt nicht nur die Breite des Sortiments, sondern auch das Know-how der Belegschaft. Spezialpersonal für Spezialprodukte gewissermaßen. “Wir lieben Pferde und sind selbst Reiter voller Leidenschaft. Daher kennen wir die Bedürfnisse des Reiters und des Pferdes”, steht auf der Website und ist offenbar nicht nur Werbegeschwurbel. Im HorSeven-Blog gibt’s Interviews mit den Mitarbeiterinnen Sarah und Kathrin. Sie beantworten z. B. die Frage, welche Decke sie bei ihren eigenen Pferden einsetzen (→ Sarah, → Kathrin). Die beiden wissen natürlich auch, weshalb Kunden auch außerhalb der Faschingszeit Decken mit Zebramuster bestellen.

Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, mir bis zum 10. Juni 2018 eine zutreffende Erklärung für die zebragemusterten Pferdedecken senden, können Sie gewinnen! Entweder einen 20-Euro-Gutschein für den HorSeven-Shop (danke, Christof!) oder mein neues BWL-Buch “Einführung in die Betriebswirtschaftslehre” (→ amazon.de). Machen Sie mit!

Ob Simone, Christof und ihr Team auch die Geschichte hinter dem Foto kennen, das Sie unten sehen? Mit HorSeven hat das zwar überhaupt nichts zu tun, aber mit Huftieren im Zebra-Look. Hätte nicht gedacht, dass ich dieses skurrile Bild mal in ein Posting einbauen kann. Noch ein Windfall-Profit des Abi-Treffens.

Kunst auf dem Bauernhof?