Segensroboter BlessU-2 und Saftpresse Juicero (Fotos: EKHN, Juicero).

Im Januar ging’s in diesem Blog um die intelligenteste Haarbürste der Welt (→ zum Posting). In den vergangenen Tagen bekam ich gleich zwei neue Anregungen für die lockere Serie “Dinge, die niemand braucht”. In einer mobilen “Lichtkirche” werden die Besucher der “Weltausstellung Reformation” vom 20. Mai bis 10. September dem Roboter BlessU-2 begegnen. Wer möchte, kann sich von der 1,80 Meter großen Blechbüchse segnen lassen. Als gebürtiger Fuldaer finde ich besonders schön, dass zu den sieben Sprachen, die BlessU-2 beherrscht, Hessisch gehört. Damit niemand Hunde, Katzen oder Handys segnen lässt (weshalb eigentlich nicht?), sollen immer mehrere Mitarbeiter in der Nähe des Roboters stehen, lese ich in der FAZ vom letzten Samstag. Der Einspareffekt ist also begrenzt.

Die Lichtkirche mit dem Segensrobbi kostete 500.000 Euro. Um die Finanzierung musste sich die Evangelische Kirche dank Kirchensteuern aber keine Sorge machen. Das Start-Up-Unternehmen Juicero hat’s in dieser Hinsicht etwas schwerer. Es braucht zahlende Kunden für seine Produkte. Das Angebot besteht aus einer stylischen Saftpresse und passenden Ausquetschpacks mit Obst- und Gemüseschnitzen. Die Presse kostete beim Verkaufsstart im März 2016 699 Dollar. Seit Januar ist das Gerät für 399 Dollar zu haben. Die Preise der Juicero-Päckchen liegen zwischen 5 Dollar (“Beta Glow”) und 8 Dollar (“Pure Pomegranate”). Aus einem Tütchen presst die Maschine mit einem Druck, der ausreichen würde, “um zwei Teslas zu heben”, ein Glas Saft (rund 250 ml). Ein Tight-Products-Geschäftsmodell für gleichermaßen zahlungskräftige wie ernährungsbewusste Kunden.

Ob sich die Investition der Kapitalgeber lohnt, die Juicero, so liest man, mit 120 Millionen Dollar ausgestattet haben, scheint fraglich. Am 19. April postete die Nachrichtenagentur Bloomberg ein 1-minütiges Video. Eine Frau quetscht mit den Händen aus einem Juicero-Beutel fast genauso viel Saft heraus wie die $400-Presse.

Juiceros CEO Jeff Dunn war natürlich sauer, als er erfuhr, dass sein Produkt von Bloomberg gehackt wurde. Richtig, “gehackt”. Dunn schreibt: “So when I saw this week’s headlines about hacking and hand-squeezing Produce Packs, I had a one overriding thought: «We know hacking consumer products is nothing new. But how can we better demonstrate the incredible value we know our connected system delivers?»”. Der unglaubliche Nutzen des Juicero-Systems besteht nicht nur im tollen Geschmack der Säfte. Außerdem ermöglicht die Onlineanbindung der Presse, das Gerät zu deaktivieren, wenn das Obst und Gemüse in der Packung von einem Rückruf betroffen sein sollten. Ein ganz wichtiges Feature im Fall von Spinatrückrufen.

“… Our connected Press … provides: 1. The first closed loop food safety system that allows us to remotely disable Produce Packs if there is, for example, a spinach recall. In these scenarios, we’re able to protect our consumers in real-time. …”

Wenn man die Kommentare zu Jeff Dunns Posting liest, hat der CEO noch ein ganze Menge Überzeugungsarbeit vor sich.

Zu den medialen Kollateralschäden zählt inzwischen das Posting “Here’s Why Juicero’s Press is So Expensive” von Ben Einstein. Er bezeichnet sich als Produktentwickler, Hardwareliebhaber und Wagniskapitalgeber. Sein Fazit: Die Juicero-Presse ist ein unglaublich kompliziertes Stück Technik. Es wäre besser gewesen, dem Start-Up hätten nicht 120, sondern nur 10 Millionen Dollar zur Verfügung gestanden. Die Presse wäre dann zwar nicht “technisch perfekt” und hätte ein paar Funktionen weniger, würde aber nur ein Bruchteil kosten.

“It’s clear that cost savings was not anywhere near a top priority for Juicero when designing this product (or if it was, something went horribly wrong). There are dozens of components and subsystems that are incredibly complex and beautifully engineered, but hopelessly expensive to manufacture and assemble (and thus sell to consumers).”

* Auf Juicero hat mich Manuel Asch hingewiesen, über BlessU-2 berichtete Heike Schmoll in der FAZ. Beiden herzlichen Dank.

Verwandter Blog-Eintrag:
“Sie dürfen die Braut küssen – klick!”
In Japan hat schon 2010 ein Roboter eine Hochzeitszeremonie geleitet. Der konnte aber kein Hessisch.