Break-Even-Analyse mit der Maus (Tafel: Education Group, Maus: WDR).

Der Fabian und der Uwe haben eine Party gemacht. Zu der Party haben sie die Leute eingeladen, die an der Uni in Bochum studieren. Studieren ist so was Ähnliches wie zur Schule gehen. Und eine Uni ist eine große Schule für junge Leute, die gerne feiern. Die heißen Studenten. Der Fabian und der Uwe waren auch Studenten. Der Fabian hat Jura studiert und der Uwe Philologie und Geschichte. Das ist jetzt ein bisschen zu schwer, um es schnell zu erklären.

Damit ganz ganz viele Studenten zur Uni-Party kommen, haben der Fabian und der Uwe Leute dazugeholt, die Musik machen. Die Eva, den Itchyban, den Lafrontino und noch ein paar andere. Damit die Musiker sich ganz doll anstrengen, haben ihnen der Fabian und der Uwe Geld gegeben. Das nennt man Gage.

Außerdem mussten sich der Fabian und der Uwe noch um Security kümmern. Das ist englisch und bedeutet Sicherheit und kostet auch Geld. Für die Party haben der Fabian und der Uwe die Mensa gemietet. Die Mensa ist das Haus, in dem Studenten mittags essen. Wenn man etwas mietet, darf man es eine Weile benutzen. Eure Eltern haben in den Ferien vielleicht schon mal eine Ferienwohnung gemietet. Das kostet Geld. Eine Mensa für eine Party mieten kostet auch Geld.

Vor der Party haben sich der Fabian und der Uwe überlegt, dass die Studenten Geld bezahlen sollen, wenn Sie mitfeiern wollen. Das nennt man Eintrittsgeld. Mit den Eintrittsgeldern, dachten der Fabian und der Uwe, kann man die ganzen Sachen bezahlen, die Geld kosten. Also die Musik von der Eva, vom Itchyban und vom Lafrontino und die Security und die Miete.

Als es dann losging, sind der Fabian und der Uwe rumgegangen und haben gezählt, wieviel Leute zur Party gekommen sind. Leider hat das mit dem Zählen nicht lange gedauert. Es waren viel weniger Gäste da, als der Fabian und der Uwe gedacht hatten. Deshalb mussten die Studenten von der Uni das ganze Geld hergeben, dass sie in den Jahren vor der Party gespart hatten. So konnten dann der Fabian und der Uwe die Musik von der Eva, vom Itchyban und vom Lafrontino bezahlen. Und die Security und die Miete.

Nach der Party waren die anderen Studenten ganz schön wütend auf den Fabian und den Uwe. Sie haben gesagt, dass die beiden den anderen Studenten Schadenersatz zahlen sollen. Was ist Schadenersatz? Das ist Geld, das man Leuten geben muss, wenn man bei denen was kaputtgemacht hat. Mit dem Schadenersatz können die sich dann was Neues kaufen. Der Fabian und der Uwe fanden die Idee von den anderen Studenten blöd. Vorgestern hat aber der Herr Beimesche entschieden, dass der Fabian und der Uwe Schadenersatz zahlen müssen. Der Herr Beimesche ist Richter. Deshalb muss er Sachen regeln, über die sich Leute streiten.

Der Herr Beimesche hat gesagt, dass der Fabian und der Uwe viel zu wenig über das Geld nachgedacht haben. Die anderen Studenten haben aber auch Fehler gemacht. Die haben nicht richtig auf den Fabian und den Uwe aufgepasst.

Wenn Ihr mal Studenten seid, wollt Ihr vielleicht auch mal eine Party machen. Damit Ihr dann nicht Euer ganzes Geld verliert, hat der Steffen noch ein paar Sachen aufgeschrieben.

Die Party von Fabian und Uwe fand 2007 an der Ruhruni Bochum statt. Unterm Strich stand ein Verlust von 218.000 Euro. Die Einnahmen betrugen 39.525,79 Euro, die Ausgaben 257.771,09 Euro. Fabian F. war Vorsitzender des damaligen AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss), Uwe B. war AStA-Finanzreferent. Für die Party wurden Verträge mit mehreren deutschlandweit bekannten Bands abgeschlossen.

Am 8. Dezember 2007 standen unter anderem die Bands Culcha Candela, 2raumwohnung und Juli in der Mensa auf der Bühne. Dafür wurden Gagen von mindestens 128.000 Euro vereinbart. Auch für den Sicherheitsdienst, für die Licht- und Bühnentechnik und für die Künstlerverpflegung fielen hohe Kosten an. Diese Kosten waren von der Zahl der Partybesucher unabhängige Fixkosten. Dazu kann man bei einer Uni-Party auch einen gewissen Mindestaufwand für Werbung rechnen (Flyer, Plakate).

Die Party war in der Bochumer Studentenschaft umstritten. Das AStA-Team hielt konkrete Zahlen zu den Kosten lange Zeit geheim und redete das finanzielle Risiko klein. Kritisiert wurden die Eintrittspreise von 28 Euro für Studierende und 35 Euro für sonstige Gäste, die viele für eine Party in der Mensa zu hoch fanden. Der Vorverkauf lief nur schleppend. So buchten die Partymacher noch schnell eine Videowerbung für die Halbzeitpause des Bundesligaspiels VfL Bochum : Karlsruher SC. Das fand wenige Stunden vor Partybeginn am Nachmittag des 8.12.07 statt. Insgesamt konnten nur 400 Tickets zum regulären Preis verkauft werden. 700 weitere gab’s für 5 Euro an der Abendkasse. 400 bis 500 Freikarten wurden ausgegeben (→ ruhr-uni-bochum.de).

Zwei Tage nach der Desaster-Fete trat das AStA-Team mit Fabian F. und Uwe B. zurück. Auf einer Pressekonferenz (geben Studentenvertreter auch nicht alle Tage …) sagte Fabian F., selbst bei knapp 5000 Besuchern wären “geringe” Verluste von 16.500 Euro entstanden (→ ruhrnachrichten.de). 5.500 Besucher als ungefähre Break-Even-Menge einer Party mit geschätzten 220.000 Euro Fixkosten? Da müsste dann jeder Partygast einen Deckungsbeitrag von 40 Euro bringen. Also z. B. 28 Euro für den Eintritt zahlen und 20 Euro für Getränke zahlen, die der Veranstalter für 8 Euro eingekauft hat.

40 Euro Deckungsbeitrag pro Besucher sind eine optimistische, aber nicht unmögliche Annahme. Problem: Wegen Brandschutzbestimmungen waren nur 2400 Personen zugelassen. Optimismus ist nur ein Mangel an Information, sagte mal der Dramatiker Heiner Müller (1929-1995).

Vorgestern, am 26. Januar 2016, entschied Oberverwaltungsgericht Münster, dass Fabian F. und Uwe B. 88.122,56 Euro Schadenersatz zahlen müssen. Der Vorsitzende Richter bescheinigte den beiden Angeklagten grob fahrlässiges Verhalten. Bei den Planungen seien einfachste Regeln wirtschaftlichen Denkens verletzt worden. Auf einem Schaden von 130.000 Euro, dem Rest des Verlusts, bleibt die Bochumer Studentenschaft aber sitzen. Begründung: Im Studierendenparlament waren die “Kalkulationen” für die Party durchgewunken worden.

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