Aluminium-Karosserie des Ford-Pickups F-150 (Foto: Ford, ohne Al-Zeichen).

Beim Autohersteller Ford nimmt gerade ein außerordentliches Innovationsprojekt Fahrt auf. Karosserie und Ladefläche der neuen Generation des Pick-Ups F-150 sind aus Aluminium. Im Vergleich zum Vorgängermodell mit Stahlaufbau konnten so rund 300 Kilo Gewicht eingespart werden. Das Leergewicht eines neuen F-150 liegt je nach Ausstattung bei “nur noch” 1,84 bis 2,25 Tonnen. Der Alu-Anteil am F-150-Materialmix ist ein Viertel.

Der Einsatz von Leichtmetallen ist kein neuer Trend in der Autoindustrie. In einem normalen Pkw sind heute über 100 Kilo Aluminium verbaut. Es gab und gibt auch schon seit Jahrzehnten Fahrzeugmodelle mit Al-Karossen (z. B. Audi A8, Jaguar XJ). Gerade geht auch der Jaguar XE mit einer Al-Außenhaut an den Start. Das Besondere am F-150-Projekt von Ford ist die Größenordnung. Das Modell ist ein Megaseller und kein Kleinserienmodell eines Premiumherstellers. Der Pick-Up führt in den USA seit mehr als 30 Jahren die Hitparade der meistverkauften Autos an. In puncto Absatzmenge ist der F-150 das “wichtigste Auto des amerikanischen Kontinents” (→ auto motor sport), sozusagen der VW Golf des US-Automarktes. 700.000 bis 800.000 Exemplare des renditestarken Modells will Ford auch in Zukunft gerne pro Jahr verkaufen. Das F-150-Alu-Projekt bezeichnet das Wirtschaftsmagazin Fortune deshalb als riesiges Wagnis (“epic gamble”).

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Alu hat gegenüber dem bislang im Fahrzeugbau dominierende Werkstoff Stahl durchaus einige Nachteile: Die Herstellung ist teurer, die Montageprozesse sind aufwendiger und Reparaturen schwieriger. Aber Aluminium ist vor allem leichter als Stahl. Leichtere Fahrzeuge verbrauchen weniger Sprit und verursachen weniger Emissionen. In Zeiten steigender Ölpreise und schärferer CO2-Standards wird das Thema Leichtbau also immer größere Bedeutung gewinnen. Aluminium wird deshalb für die kommenden Jahre eine sagenhafte Karriere als Kfz- und Karosseriewerkstoff vorausgesagt.

Die Marktforscher von Ducker Worldwide erwarten für das Jahr 2025, dass dann …

85 Prozent der Pkw-Motorhauben, die in Nordamerika (NA) verbaut werden, aus Aluminium bestehen (46 Prozent der Pkw-Türen, 18 Prozent der Pkw-Karosserien).

7 von 10 neuen Pick-Up-Modellen, die in NA produziert werden, eine Aluminium-Karosserie haben.

4,5 Millionen Tonnen Alu in NA in Pkw verbaut werden. Davon werden ca. 1,8 Millionen Tonnen für Karosserien und Türen gebraucht, 20-mal mehr als 2012.

weltweit etwa 16 Millionen Tonnen Aluminium für die Pkw-Produktion nachgefragt werden und die Autoindustrie zum wichtigsten Markt für Alumimiumproduzenten wird.

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Ford legt sich mächtig ins Zeug. In den beiden F-150-Produktionswerken Dearborn und Kansas werden künftig mehr Alubleche verbaut als 2014 in der gesamten europäischen Fahrzeugindustrie. In den kommenden Wochen wird das Innovationsprojekt F-150 in diesem Blog mit einer kleinen Serie von Postings gewürdigt, wie vor zwei Jahren das BMW-Elektroauto i3 (→ BMW i3). Es wird beispielsweise um den Charakter der F-150-Innovation als System- und Netzwerkinnovation gehen. Und zum Vergleich mit dem F-150 bieten sich die Audi-Projekte A8 und A2 an. Außerdem interessant: Welche organisatorischen Rahmenbedingungen bei Ford waren günstig für das große Alu-Abenteuer?

Der Verkaufsstart des neuen F-150 scheint jedenfalls gelungen zu sein. Die Vergleichsseite TrueCar.com meldete Mitte Mai, dass durch den F-150 der Preisdruck auf Konkurrenzmodelle von Chevrolet, GMC und Ram deutlich zugenommen hat. Ford-Händler konnte dagegen für Modelle der F-Serie (zu ihr zählt der F-150) einen durchschnittlichen Preis von 42.500 US-Dollar erzielen. Das sind 3.200 US-Dollar mehr als ein Jahr zuvor (→ true.com).

Bevor es mit dem F-150-Innovationsbeispiel weitergeht, bitte ich um etwas Geduld. Zur Überbrückung der Wartezeit auf das nächste Posting gibt’s zum Schluss aber eine Youtube-Empfehlung.

Auf Youtube kann man sich drei Videos mit dem Moderator John Brenkus anschauen, der sich im US-Fernsehen eigentlich mit “Sport Science” beschäftigt. Hier aber mal mit “Tough Science” und dem F-150.